Alle Beiträge von Ludger Schuh

Ludger Schuh ist kaufmännischer Geschäftsführer der INFORM (Institut für Operations Research und Management) GmbH. Von 1993 bis 2016 verantwortlich für die Produkte aus dem Geschäftsbereich Inventory & Supply Chain, vertritt er nun gemeinsam mit Adrian Weiler die INFORM GmbH auf deutschem und internationalem Markt. In Zeiten der Digitalisierung und Industrie 4.0 brauchen Unternehmen IT-Systeme, die angesichts komplexer und oft unvorhersehbarer Einflussfaktoren eine agile Managementstrategie ermöglichen. Das ist die Kernkompetenz von INFORM und Ludger Schuh steht für den Ausbau der Marktposition in diesem Bereich.

Durch integrierte Planung neue Märkte erschließen

„Neue alte“ Verkaufskonzepte im Consumer-Geschäft beschäftigen derzeit die Medien: Wo einst noch ausnahmslos der Online-Handel als Gefahr für den Einzelhandel deklariert wurde, gehen nun ausgerechnet die Gründer der großen Online-Shops in den persönlichen Verkauf zurück. Doch natürlich nicht gänzlich, sondern sie entwickeln eine Kombination aus „offline“ und „online“ für mehr Umsatz. Interessanterweise war das so genannte Multi-Channel-Retailing, also die Nutzung mehrerer unterschiedlicher Vertriebskanäle, eigentlich das Heilsversprechen an den stationären Handel, um dem Wettbewerb aus dem Internet zu trotzen. Nun schlägt das Online-Imperium offensichtlich zurück. Die Rolle des Einzelhandels ist langfristig gesehen aus beiden Perspektiven die gleiche: Die stationären Läden werden zum „Showroom“. Das bedeutet, dass im Geschäft lediglich getestet wird – gekauft wird online. Mit einleuchtendem Vorteil: Die Lagerung in den Filialen fällt beinahe vollständig weg. Einem Beispiel der PwC-Strategieberatung Strategy& zufolge kann ein Denim-Jeans-Geschäft so seine lagerhaltigen Hosen in der Filiale von 3.640 Stück auf 220 reduzieren. Das Bestandsmanagement in den Hauptlagerorten, aus denen die Ware verschickt wird, wird dadurch folglich komplexer.

Ein solcher Strategie-Wechsel in Unternehmen bedeutet enormen Planungsaufwand für die Supply Chain. Wessen Lieferkette nicht bereits vor einem solchen Schritt wie ein Uhrwerk läuft, wird vor immense Herausforderungen gestellt. Ebenso sind zunehmende globale Vernetzung und Individualisierung von Produkten komplexitätssteigernd für die Planung zukünftiger Verkäufe. Daher ist es heute wichtiger denn je, eine vernünftige Planung auf Basis verlässlicher Daten zu haben und alle an der Supply Chain beteiligten Teilprozesse zusammenzuführen.

Ziele kennen, Menschen zusammenbringen

Eine verlässliche Absatzplanung steht am Beginn der Planung und ist als elementarerer Bestandteil im Supply Chain Management anzusehen. Die Qualität der Absatzplanung entscheidet über die Ausschöpfung der Verkaufspotenziale, hat Einfluss auf alle Folgeprozesse und damit entscheidenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Damit das Ergebnis einer Planung aber nicht nur am Markt orientiert, sondern auch wirtschaftlich und vor allem umsetzbar ist, müssen sowohl alle Abteilungen gemeinschaftlich agieren als auch die Planung auf übergreifender Ebene strategisch stattfinden.

Obwohl dies bekannt ist, ist in vielen Branchen die Planung in „Insellösungen“ gängig. Nicht nur in der persönlichen Kommunikation fließen die Informationen über interne Grenzen hinweg spärlich, sondern auch Medienbrüche in einer IT-Landschaft verhindern einen angemessenen Informationsfluss.

Im Sinne einer integrierten Planung der gesamten internen Supply Chain gilt es nun, die Informationen von der Vertriebs- bis zur Produktionsplanung zusammenzuführen, Interdependenzen zu erkennen und Synergien zu nutzen – für eine auf Unternehmensziele ausgerichtete Supply Chain. Dazu sollten zunächst alle Teilziele bekannt sein: Der Vertrieb muss seine Umsatzpotenziale kennen, die Produktion ihre Kapazitäten, das Bestandsmanagement alle Ressourcen und die Geschäftsleitung ihre Strategie. Da jede Abteilung unterschiedliche Dinge fokussiert, sollte eine Planung auch individuelle Planungsebenen ermöglichen: Der Vertrieb plant zum Beispiel möglicherweise auf Ebene der Kundensegmente, während sich die Beschaffung auf Artikel und Artikelgruppen konzentriert.

Eine Frage der Kombination

Die Zusammenführung von planungsrelevanten Abteilungen auf einheitlichem IT-Grund und eine flexible und individuelle Planung sind für ein verlässliches Ergebnis jedoch noch nicht genug. Intelligente Algorithmen liefern einerseits zusätzlich verlässliche Prognosen, damit eine Planung letztlich nicht nur auf dem „Bauchgefühl“ der Planer basiert. Andererseits erreichen sie auch ein Gesamtoptimum durch die ganzheitliche Betrachtung und Simulation von strategischen Fragestellungen, zum Beispiel: „Wie verändert sich das Produktionsprogramm bei zusätzlicher Kapazität?“ Oder, wie im Jeans-Beispiel: „Wo müssen welche Bestände gelagert werden, wenn die tatsächliche Distribution hauptsächlich von einem zentralen Standort aus geschieht?“.

Dem Wandel entgegen

Nicht nur die großen Online-Händler, sondern Unternehmen jeglicher Größe und Branche sind gezwungen, den Anforderungen der heutigen Zeit erfolgreiche Lösungen gegenüberzustellen, um am Markt Bestand zu haben. Strategiewechsel, die Internationalisierung und zunehmend digitalisierte Prozesse gehen damit einher. Damit diese Veränderungen gelingen, ist eine integrierte, fundierte und intelligente Supply Chain Planung nötig. Eine integrierte Planung  ist hierfür zwingend notwendig. Isolierte Pläne pro Abteilung gilt es zu einer übergreifenden strategischen Planung zusammenzuführen. Algorithmen unterstützen bei der Festlegung eines optimalen Plans.

Mit Digitalisierung und Automation zur Intralogistik 4.0

Robotik-Ingenieur soll einer der beliebtesten Berufe 2017 werden. Kein Wunder, denn laut der International Federation of Robotics (IFR) kommen in Deutschland auf 10.000 Beschäftige im produzierenden Gewerbe bereits 301 Roboter. Damit liegt Deutschland im weltweiten Robotereinsatz auf Rang 4. Bis 2019 sollen weltweit mehr als 1,4 Millionen der mechanischen Mitarbeiter neu installiert werden und die Gesamtzahl somit auf 2,6 Millionen steigen. Die Automatisierung der Industrie ist offenkundig in vollem Gange. Deren aktueller Status ist aber branchenabhängig. Während vor allem im Automobilbau die digitalisierte Konstruktion eine Vorreiterposition einnimmt, entwickeln sich Teile des Logistiksektors eher schleppend.

Ein Beispiel dafür ist die Intralogistik. Hier ist man häufig noch weit entfernt von automatisierten Prozessen. Denn in deutschen Werken fahren die Staplerfahrer meist noch auf Zuruf und Sicht. Eines wird hier schnell deutlich: Die fehlende Planung und Struktur sorgt für ineffiziente innerbetriebliche Transporte und unzufriedene Fahrer. Und auch fehlendes Material als Folge einer unproduktiven Intralogistik sorgt für Missmut in der Produktion und Verzögerungen in der Lieferung. Doch wie transportiert man die richtigen Materialien zur richtigen Zeit an den richtigen Ort, während gleichzeitig Effizienzdruck, Artikelvielfalt und Ansprüche an Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit in der Intralogistik steigen? Unsere 4 Tipps für eine digitale Intralogistik geben einen ersten Überblick.

Voraussetzung für eine Intralogistik 4.0 ist Datentransparenz

Eine der größten Schwachstellen der innerbetrieblichen Logistik gilt es zu beheben: Intransparenz. Die wenigsten Logistikleiter wissen in dem Moment, in dem sie es benötigen, wie viele Transporte ihre Fahrer fahren, in welchem Status sich die Transportaufträge befinden, wie viel Zeit für sie aufgewendet wird und wo welches Material verloren ging. Wenn alle diese Informationen an der richtigen Stelle fehlen oder nur mit Mühe zu evaluieren sind, ist eine adäquate Messbarkeit der Prozesse völlig undenkbar. Die Folge ist, dass kaum einzuschätzen ist, wie viele Transportmittel und Fahrer gegebenenfalls reduziert oder aufgestockt werden müssen.

Um eine vernetzte und automatisierte Supply Chain im Sinne einer Logistik 4.0 zu erreichen, ist diese Transparenz im Supply Chain Management jedoch unerlässlich. Und ist der Zugriff auf alle Daten geschaffen, gilt es, sie richtig zu nutzen. Denn in keinem Prozess entlang der Lieferkette, weder in der Materialwirtschaft, noch im innerbetrieblichen Transport, ist eine reine Datenverwaltung eine zukunftsfähige Vorgehensweise. Der häufig umfangreiche Datenschatz in einem Unternehmen – heute auch Big Data genannt – sollte hier für eine intelligente Entscheidungsfindung genutzt werden, dafür sind moderne Softwaresysteme nötig. Das zahlt sich aus, wenn Lagerhaltungs- und Transportkosten sinken, während die Termintreue steigt.

Mithilfe umfangreicher Analyse von Daten und deren effektiver Nutzung können zahlreiche Intralogistikprozesse digitalisiert und zugunsten der heutigen Marktansprüche und Wirtschaftlichkeitsfaktoren optimiert werden. Eine intelligente Optimierung ermöglicht zum Beispiel, dass alle Transportaufträge den Fahrern und Transportmitteln effizient zugeordnet werden können. Durch die Möglichkeit, Daten dabei mobil zu erfassen, können alle Transporte in einem System zentral abgebildet werden. Jeder Intralogistik-Mitarbeiter kann so jederzeit sehen, ob eine Verspätung droht oder Material geliefert bzw. abgeholt werden muss. Selbst bei kurzfristigen Änderungen können moderne Systeme in Echtzeit neu planen, da zukunftsfähiges Supply Chain Management durch Prognosen heute schon in vielen Branchen eingesetzt wird.  Statt Hektik und Chaos ziehen Ordnung und Effizienz in die Lagerhalle ein.

Die zunehmende Automatisierung hin zu einer Logistik 4.0 ist unausweichlich, um Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen – und zu halten. Nicht nur für eine schnelle und marktgerechte Produktion zahlt sich der verstärkte Einsatz von Robotik aus. Auch im Bereich der Intralogistik bieten automatisierte und digitalisierte Prozesse für die Logistikleiter großes Potenzial, die innerbetrieblichen Transporte effizienter zu steuern und ihre freigewordenen Kapazitäten für andere Aufgaben nutzen können. Dies ist nur einer von vielen wichtigen Teilbereichen von Logistik und interner Supply Chain, die es in Zeiten der Digitalisierung zu reorganisieren gibt.

Sie möchten noch weiterführende Informationen zum Thema Digitalisierung in der Intralogistik? Downloaden sie in unser kostenloses Whitepaper „Der digitale Weg zur Intralogistik 4.0„.

Welche Chancen versprechen Sie sich von dem Einzug der Digitalisierung in die Intralogistik?