Alle Beiträge von Michael Wallraven

5 Tipps für die Supply Chain in der Lebensmittelindustrie

1. Kostenfaktoren: Halten Sie die gesamte Supply Chain im Blick

Welche Produkte werden wo am besten produziert? Diese Frage zu Beginn der Planung neuer Produkte, Produktlinien oder Produktvarianten ist nicht ohne die Berücksichtigung der dazugehörigen Kosten für Lagerung und Transport oder auch steuerlicher Aspekte zu beantworten. Einzelne Kostenfaktoren müssen im Gesamtkontext betrachtet werden, nicht für sich alleine. So beeinflussen beispielsweise Lagerzeiten unter Umständen Transportkosten für die Ware. Eine Entscheidung im Rahmen einer spezifischen Fragestellung kann sich auf die gesamte Supply Chain auswirken (Bullwhip Effect).

2. Passen Sie Produktionskapazitäten flexibel an

Der Teufel steckt im Detail: Mit einer Supply-Chain-Design-Software lassen sich die Produktionskapazitäten an unterschiedlichen Standorten so auslasten, dass die Gesamtproduktionskosten sinken. Je nachdem, wo die Nachfrage höher und wo niedriger ist, werden in der Lebensmittelindustrie die erforderlichen Grundstoffe von unterschiedlichen Orten bezogen, um sie weiter zu verarbeiten. Was einleuchtend klingt, ist allerdings ohne eine Supply-Chain-Design- Software nur schwer umzusetzen. Die beiden Faktoren Beschaffungsort und lokale Nachfrage    hängen miteinander zusammen und können nur mit einer Optimierungsanwendung sinnvoll analysiert werden, um die kostengünstigste Lieferkette zu bestimmen.

3. Eine Bestandsoptimierung sorgt für Einsparungen

Bestände – Menge und Verfügbarkeit – sind für jedes Unternehmen ein kritischer Faktor. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass immer der optimale Bestand verfügbar ist ̶ nicht zu viel und nicht zu wenig, möglichst kostengünstig. Die richtigen Fragestellungen und die Betrachtung unterschiedlicher Einflussfaktoren (KPIs) ermöglichen erhebliche Kosteneinsparpotenziale. Eine Supply-Chain-Design-Software berücksichtigt sämtliche Variablen von der Beschaffungsstrategie bis zur Warenverteilung. Sie macht sichtbar, wo Einsparungspotenzial besteht und wie Unternehmen handeln müssen, damit die Bestandskosten gesenkt werden können. Beispielsweise gibt sie Auskunft darüber, wann bei welcher Nachfrage eines Produkts die Lagerbestände aufgefüllt werden müssen.

4. Verderbliche Lebensmittel brauchen straffe Zeitpläne

Gerade verderbliche Lebensmittel bedürfen besonderer Behandlung. Ein straffer Zeitplan bei der Auslieferung und Auflagen wie bestimmte Transporttemperaturen sind streng einzuhalten. Dieser Prozess beginnt bei der Produktion und zieht sich bis zum Verkauf an den Endkunden. Dass ein Produkt beim Warentransport zwischengelagert wird, ist recht wahrscheinlich. In diesem Fall kann eine Supply-Chain-Design-Software anhand des Haltbarkeitsdatums genau ausrechnen, wann das Produkt unter welchen Bedingungen weitertransportiert werden muss.

5. Gestalten Sie den Warentransport möglichst kosteneffizient

Egal ob Unternehmen eine eigene Transportflotte haben oder die Ware von externen Dienstleistern ausliefern lassen. Die Frage nach der optimalen Transportroute bleibt dieselbe. Unterschiedliche Transportmodi müssen in jedem Fall optimal miteinander kombiniert werden – Straße, Schiene, See- oder Luftfracht. In Zukunft vielleicht Drohnen und autonome Fahrzeuge. Die Route hängt mit dem ausgewählten Transportmittel zusammen und nur eine Supply-Chain-Design-Software kann belastbare Aussagen für einen optimalen Warentransport machen.

Das Supply Chain Center of Excellence

Es genügt nicht, bei der Lieferkettenplanung den idealen Weg von A nach B für ein Produkt zu finden. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der ausgearbeitete Plan nicht durchzuführen ist, ist hoch. Vorherzusagen, welche Ereignisse in der Zukunft Auswirkungen auf die Lieferkette haben, ist nahezu unmöglich. Beispiele für sich ändernde Gegebenheiten können Bedarfsschwankungen und Omnichannel-Geschäftsmodelle, steigende Rohstoffpreise, Naturkatastrophen, politische Spannungen und internationale Konflikte sein. Veränderungen von externen Beschaffungs- und Transportnetzwerken sind weitere, entscheidende Einflussfaktoren im Tagesgeschäft weltweit agierender Unternehmen. Diese vielfältigen und zum Teil unbekannten Variablen bedeuten für jedes Unternehmen hunderte von „Was wäre wenn“-Szenarien, die im Idealfall schnell und datenbasiert beantwortet werden sollten.

Die Lieferkettenoptimierung: Work in progress

Um den neuen Herausforderungen tagtäglich zu begegnen, reicht es nicht mehr aus, sich auf Trends und Statistiken der Branche zu verlassen. Damit ein Lebensmittelhersteller beispielsweise für das Weihnachtsgeschäft gerüstet ist, genügt es nicht, die Lieferdaten und Absatzzahlen aus den Wintermonaten des Vorjahres zu analysieren. Unternehmen müssen Entscheidungen treffen, die auf kontinuierlichem Supply Chain Design basieren. So können sie erkennen, wo zum jeweils gegenwärtigen Zeitpunkt Kosten und Risiken minimiert werden können. Viele Unternehmen setzen daher auf die Kompetenzen eines eigenen Supply Chain Design Center of Excellence. Ein solches Kompetenzzentrum überwacht laufend die gesammelten Daten aus dem Supply-Chain-Netzwerk und somit sämtliche Einflussfaktoren. Dieses Center of Excellence verknüpft Daten, die aus unterschiedlichen Quellen stammen. Die Informationen werden im Anschluss zu aussagekräftigen Supply-Chain-Szenarien zusammengeführt.

Supply Chain Center of Excellence

Ein Supply Chain Center of Excellence ist ein erfolgversprechender Weg, um Lieferketten bestmöglich auszurichten. Neben der Software kommt es auf gut ausgebildete, fachkundige Mitarbeiter aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen an. Interdisziplinäre Teams, die zum Beispiel aus Produktions-, Vertriebs-, Kundenservice-, Logistik- und Finanzmitarbeitern bestehen, gewährleisten die unabhängige Ausrichtung des Center of Excellence. Eine zentrale Aufgabe ist die unterschiedliche Gewichtung von Modellierungsszenarien. Jede Initiative kann im Rahmen einer Matrixstruktur nach ihrem Nutzen und ihrer Komplexität eingeordnet werden. Dabei umfassen mögliche Varianten das gesamte Supply-Chain-Netzwerk und reichen zum Beispiel von Multi-Echelon-Bestandsoptimierung bis zur Simulation von Cost-to-Serve Modellen, alternativen Beschaffungsstrategien, Standortanalysen und Exportoptimierungen. So lassen sich schnell die Projekte mit dem größten Wertschöpfungspotenzial erkennen.

Fazit

Viele Unternehmen wissen um die Wichtigkeit von Supply-Chain-Design-Initiativen. Sie sind die Eckpfeiler, um die gesteckten Ziele auch zu erreichen. Häufig bleibt es jedoch bei strategischen Konzepten, die oftmals nur in großen zeitlichen Abständen von externen Partnern überarbeitet werden. Diese Vorgehensweise ist kostspielig und nicht effizient. Die Etablierung eines internen Supply Chain Center of Excellence hingegen bindet wichtiges Know-how im eigenen Unternehmen und ermöglicht darüber hinaus die kontinuierliche Überprüfung und Verbesserung des globalen Supply-Chain-Netzwerkes, einer entscheidenden Erfolgskomponente.