Sichere Instandhaltung fängt bei der Beschaffung an

Wer bei der Beschaffung von Maschinen nicht an die Instandhaltung denkt, erhält die Quittung dafür später: Produktionsausfälle, Stress und schwere Unfälle. Wie können Betriebe das verhindern?
Xaver Bühlmann– Fehlen Vorrichtungen für eine sichere Instandhaltung, verleitet dies Maschinenbediener und Instandhalter bei Störungen zu Improvisationen. «Improvisationen sind gefährlich und erhöhen das Unfallrisiko», sagt der Suva-Sicherheitsingenieur Xaver Bühlmann. Planungsfehler führten zudem zu teuren Betriebs­-unter­brüchen. Deshalb lohnt es sich, bei der Beschaffung neuer Maschinen nicht nur die Funktionalität im Auge zu haben, sondern auch die Anforderungen der Instandhaltung. Bei Unfallabklärungen und Kontrollen stellt die Suva immer wieder drei Gefahrenschwerpunkte fest:

– Absturz wegen fehlender oder unsicherer Zugänge

– Unerwarteter Anlauf einzelner Teile von verketteten Anlagen

– Unfälle beim Sonderbetrieb

Alle drei Gefahrenherde können laut Bühlmann mit einer sauberen Planung bei der Beschaffung entschärft werden.

Tödliche Gefahr: Improvisierte Zugänge

Wer zur Behebung einer Störung die betroffene Stelle an einer Anlage nicht über einen sicheren Zugang erreichen kann, wird sich irgendwie behelfen. Bei Kletterübungen ist es schon oft zu schweren Unfällen gekommen. Deshalb ist die Planung von sicheren Zugängen für die Instandhaltung bei der Beschaffung von Maschinen und Anlagen ein zentraler Punkt.

Einzelne Teile von verketteten Anlagen sicher abschalten

Produktionsanlagen, die aus mehreren verketteten Einzelmodulen bestehen, sind oft so gestaltet, dass nur die Anlage als Ganzes sicher stillgesetzt werden kann. Bei Unterhaltsarbeiten an einem einzelnen Modul und gleichzeitig weiterlaufendem Betrieb der übrigen Anlage besteht so weiter die Gefahr eines ungewollten Anlaufens. Deshalb sollten nur verkettete Anlagen beschafft werden, die über Revisionsschalter zum sicheren Abschalten jedes einzelnen Moduls verfügen.

Sonderbetriebssteuerungen – kein Mani­pulieren von Schutzeinrichtungen

Zum Einrichten von Maschinen, bei der Fehlersuche oder auch für die Reinigung ist es oft notwendig, im Gefahrenbereich einer laufenden Maschine zu arbeiten. Verfügen Maschinen über keinen Son­der­betriebs­modus dafür (z. B. weniger Risiko durch begrenzte Geschwindigkeit) und keine Sonderbetriebssteuerung (z. B. Zustimmschalter, der die Maschine beim Loslassen sofort stillsetzt), verleitet dies zum Überbrücken von Schutzeinrichtungen und dem gefährlichen Manipulieren an der Maschine im Normalbetrieb. Deshalb kann das Beschaffen von Maschinen mit geeigneten Sonderbetriebseinrich­tungen Leben retten.

Anforderungen vertraglich festlegen

Die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Beschaffung von Arbeitsmitteln sind zwar klar. Die Hersteller und Inver­kehr­bringer haben insbesondere die Sicherheitsanforderungen der europäischen Maschinenrichtlinie zu erfüllen. Die Betriebe müssen nach der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) sicher­stellen, dass Maschinen bestimmungs­gemäss verwendet und fachgerecht instandgehalten werden. Dies stellt aber nicht sicher, dass eine neu beschaffte Maschine alle Anforderungen erfüllt, die es später im Betrieb für eine sichere Instandhaltung braucht. Diese Anforderungen müssen vertraglich zwischen Lieferant und Käufer festgelegt werden.

Tipps für die Betriebe

Damit eine Maschine später bei der In­standhaltung nicht zum Problem wird, rät Bühlmann, sich bei der Beschaffung an folgende Tipps zu halten.

Tipp 1: Das Beschaffungsteam richtig zusammenstellen. Ganz wichtig ist, dass der Einkauf bei einer Beschaffung die Personen im Betrieb einbezieht, die in der Praxis mit der Instandhaltung der Anlage zu tun haben:

– die Instandhalter

– die Betreiber (Schichtführer, Maschinenbediener)

Denn diese Personen können ihre prak­­ti­sche Erfahrung in die Beschaffung ein­bringen. Sie wissen, was es braucht, um bestimmte Teile an einer Maschine aus­zuwechseln und welche Schwierig­keiten beim Einrichten und bei der Wartung von Anlagen entstehen können. Trotzdem werden sie heute in der Praxis meist nicht einbezogen. Je nach Komplexität einer Anlage kann es aus­ser­dem notwendig sein, weitere externe Spezialisten für die Beschaffung beizu­ziehen.

Tipp 2: Die Instandhaltungsstrategie klären. Um eine Instandhaltung nicht unter Stress und verbunden mit unverhofften Betriebs­ausfällen durchzuführen, muss sie geplant werden. Der Prozess dafür ist wiederum bereits bei der Beschaffung fest­zulegen. Zu regeln ist zum Beispiel, ob die Maschine vorausbestimmt in vorge­gebenen Intervallen oder durch Sensoren überwacht zustandsorientiert zu warten ist.

Tipp 3: Das muss bei der Abnahme erfüllt sein: Um eine neubeschaffte Anlage abnehmen zu können, müssen Sie die folgenden Fragen mit Ja beantworten können.

– Ist eine Konformitätserklärung vorhanden? Sie bescheinigt, dass die Maschine die Sicherheitsanforderungen der euro­päischen Maschinenrichtlinie erfüllt.

– Wurde eine Betriebsanleitung in der erforderlichen Sprache mitgeliefert?

– Wurden die betroffenen Mitarbeitenden (Instandhalter, Schichtführer, Maschinenbediener) ausgebildet und Instruiert?

– Sind keine offensichtlichen Mängel vorhanden?

Wer sich an diese Tipps hält, ist auf gutem Weg, eine sichere Instandhaltung seiner neuen Anlage zu gewährleisten.

suva.ch Bilder: Suva

Praxisnahe Workshops

Ab März 2018 organisiert die Suva halbtägige Workshops zu «Sichere Instandhaltung betrifft uns alle». Im Zentrum steht die Frage: Wie können Vorgesetzte bei Instand­haltungs­arbeiten ihre Ver­antwortung für die Arbeitssicherheit wahrnehmen? Anhand von Praxisbeispielen erfahren Sie, wie Sie die «Lebenswichtigen Regeln für die Instandhaltung» instruieren und durchsetzen können.

Informationen zu Kampagne und Workshops: suva.ch/instandhaltung10