Industrie 4.0: Warum Digitalisierung von der Stange keine gute Idee ist

Ein pragmatischer Ansatz ist bei Industrie 4.0 unumgänglich: Nur dann, wenn die Einführung einer Technologie einen echten Mehrwert für das Geschäft bringt, sollte eine Adaption berücksichtigt werden. Im Gespräch mit unseren Kunden sehen wir großes Interesse an verschiedenen Technologien. Was fehlt, ist das Wissen darüber, wie sich Industrie 4.0 auf ihr spezifisches Geschäftsmodell auswirkt und welche Technologien möglichst schnell zum ROI führen. Anders ausgedrückt: Unternehmen interessieren sich im Zweifel für Technologien, die nicht zur Erfüllung der Unternehmensziele beitragen und den Fortschritt sogar eher behindern als beschleunigen.

Ein Beispiel aus der Öl- und Gasförderung verdeutlicht das Problem: Dort ist es geschäftskritisch, die Größe eines Förderfelds sowie dessen Ausbeute möglichst genau zu berechnen. Es macht daher selten Sinn, eine neue Bohrung zu initiieren, ohne diese Informationen zu kennen. Unter Umständen ist es stattdessen sinnvoller, die bestehende Produktion zu optimieren. So könnte die Öl- und Gasförderung beispielsweise mit Sensoren aufgerüstet werden, um ein Remote Monitoring und die Sammlung von Daten in Echtzeit zu ermöglichen. Diese Maßnahme generiert mehr Wert und hilft bei der Entscheidung, ob sich ein weiterer Förderturm lohnen würde.

Wie aber lässt sich herausfinden, welche Technologie die richtige ist? Unternehmen müssen sich die Verbesserungen ansehen, die sie bereits vorgenommen haben und – Schritt für Schritt – die vielversprechendsten Bereiche identifizieren. Das heißt: Nicht die Technologie um der Technologie willen kaufen, sondern die Neuerungen implementieren, die existierende Investitionen optimal ergänzen und so einen schnellen ROI garantieren.

Um eine funktionierende Strategie für Industrie 4.0 zu entwickeln, sollten Unternehmen sich zuerst mit ihrer Ausgangssituation befassen. Sie müssen wissen, was sie haben, um zu entscheiden, was sie brauchen. Der erste Schritt hierzu ist ein Assessment.

Deshalb hat sich Infosys 2015 mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und der RWTH Aachen zusammengetan und den Industrie 4.0 Maturity Index entwickelt. Das Ziel: ein Standard für den I40-Reifegrad zu definieren, der für Unternehmen weltweit gilt. Das Ergebnis: Sechs Schritte, die den Industrie-4.0-Entwicklungspfad illustrieren, Beispiele aus Bereichen wie Datenanalyse, Automation und Plattformentwicklung inklusive.

Der Index hilft zu erkennen, auf welcher Entwicklungsstufe in Bezug auf Industrie 4.0 sich die Unternehmen befinden. Das ist die Basis für die Arbeit mit dem Kunden. Gemeinsam identifizieren wir die Bereiche, die durch I40-Technologie verbessert werden können. Als nächstes sehen wir uns alle bereits verwendeten Technologien sowie das Ökosystem des Unternehmens an und stoßen schlussendlich auf Gold – die Strategie für Industrie 4.0, die zu diesem spezifischen Unternehmen passt und den schnellsten ROI bietet. Der gesamte Prozess dauert dabei nur wenige Wochen.

Ein weiterer Aspekt ist das Thema Weiterbildung: Um Projekte erfolgreich zu gestalten, sollte großer Wert darauf gelegt werden, den eigenen Mitarbeitern dabei zu helfen, zukunftssichere Fähigkeiten zu erlangen. Die Einführung einer neuen Technologie muss deshalb transparent gestaltet werden. Mitarbeiter sollen erfahren, wie sie von I40 profitieren können, indem sie sich mit ihr beschäftigen und weiterbilden. Nur wenn sie den neuen Systemen und Prozessen vertrauen, kann Mehrwert generiert werden. Das gilt besonders, wenn Maschinen Entscheidungen treffen sollen.

Das Fazit: Beim Umstieg auf Industrie 4.0 sollten sich Unternehmen nicht hetzen lassen. Es ist wichtig, alle Aspekte, vor allem den ROI, zu berücksichtigen, bevor in eine neue Technologie investiert wird. Der Industrie 4.0 Maturity Index der acatech hilft Unternehmen dabei, die eigene Entwicklungsstufe zu identifizieren und eine maßgeschneiderte Strategie zu entwickeln, die die gesamte Organisation miteinschließt.

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