Richtige Wege zur Digital Readiness für Logistiker

In den Medien steht Logistik in Sachen Digitalisierung schlecht da – letzter Platz im Branchenranking und deshalb Kritik von allen Seiten. Zugleich ist auf den Führungsetagen vieler Logistiker Ratlosigkeit zu spüren: Was bitte sollen wir denn digitalisieren? Vor allem der Blick nur auf IT ist ein großer Fehler. Der Dschungel sich regelmäßig widersprechender News, Studien und Innovationsmeldungen macht die Entscheidungslage nicht einfacher – ganz offensichtlich wird die Dynamik der Logistikbranche falsch eingeschätzt. Meist sind die Kunden die Besitzer der Daten und geben IT-Anforderungen vor. Das schränkt eigene digitale Initiativen schon drastisch ein. Damit werden auch Investitionen in Digitalisierung Verhandlungssache. Man sollte auch den Beitrag, den die Logistik bislang bei der Steuerung und Abwicklung von Logistikketten geleistet hat, nicht vergessen. Darunter gibt es viele bereits bewährte Anwendungen und Methoden, die längst noch nicht allgemeiner Standard sind.

Auf eigene Faust digitale Vorzeigeprojekte loszutreten, ist vielleicht Sache der Big Player, nicht aber für einen solide kaufmännisch kalkulierenden Mittelstand, solange nicht ein Kunde als Auftraggeber dahinter steht. Also doch alles auf Entwarnung? Und bedeutet Digitalisierung überhaupt immer Ausbau von IT-Lösungen?

Aus einer Vielzahl von Gesprächen der jüngeren Vergangenheit ist ein Leitfaden entstanden, mit dem sich eine ganze Menge Klarheit schaffen lässt.

Digitalisierung ist nur ein Schlagwort

Es besagt nichts über richtige Strategien. Die Marker nur an Digitalisierungs-Trends wie Big Data oder Internet of Things zu setzen, ist kein Ansatz für zukunftsorientierte IT und Organisation. Selbst Kai Goerlich, Chief Futurist des Softwarekonzerns SAP räumt ein, dass vieles, was jetzt als Revolution vorgestellt wird, lediglich gute Marketingstrategie sei.

Industrie 4.0 verändert die Spielregeln

Produktionskonzepte wie Production on Demand können konsequenterweise zu einer Abkehr von bisherigen Globalisierungsstrategien hin zu regionalen Zuliefernetzwerken, anderen Bestands- und Verteilkonzepten führen, um digitale Zeitvorteile nicht wieder durch lange Lieferketten zu verlieren. Zeit wird ein größerer Faktor werden als Kostenvorteile in Billiglohnländern oder große Stückzahlen, d. h. die nächste Logistikausschreibung eines Stammkunden könnte schon radikal andere Anforderungen beinhalten.

Digital Readiness

Die Kernstrategie von Logistikdienstleistern muss daher Digital-Readiness lauten: Was die Kunden zukünftig planen, sollte man nicht erst aus der Tagespresse oder bei Vertragskündigung erfahren. Im Kern heißt das, IT, Prozesse, Mitarbeiter zu einer Digital Readiness zu führen, um auf Marktveränderungen bzw. Kundenanforderungen kompetent mit Lösungsvorschlägen reagieren zu können. Dies beginnt meist schon mit der Frage: Wie gut sind wir im Branchenvergleich schon aufgestellt? Verfügen wir z. B. schon über ein leistungsfähiges Prozess- und Wissensmanagement?

Digitalisierung und Skaleneffekte

Viele Logistik 4.0 Pilotanwendungen wie z. B. intelligente Ladungsträger bleiben heute im Versuchsstadium, weil Einzellösungen keine kritisch-wirtschaftliche Masse bilden. Der Schritt vom Labor in den Echtbetrieb scheitert aber zum Teil auch an technischer Zuverlässigkeit unter Realbedingungen oder ganz einfach an Stückkosten.

Keine Standardgeschäftsmodelle/Blaupausen

»Die« Digitalisierung von der Stange gibt es nicht, schon gar nicht von Anbietern ohne Markt-Background. Digitalstrategien sind daher bislang individuelle Lösungswege, vergleichbar der Logistik in den 80er, frühen 90er Jahren: Pionierarbeit.

Insellösungen?

Die Stärke der Logistik ist es Partner in der Kette zu vernetzen, kundenorientierte Lösungen sind der Anfang von Standards, diese Reihenfolge bleibt sinnvoll.

IT oder Management?

Die Verantwortung für Digital Readiness liegt zunächst bei der Unternehmensleitung und Key-Account-Management, Entwicklung früh zu erkennen, einzuschätzen wie die Organisation und IT darauf vorbereitet ist, erst daraus ergeben sich auch notwendige Maßnahmen.

Logistiker sind daher gut beraten, wenn sie sich erst einmal Gesprächspartner suchen, die nicht gleich Must-Have-Lösungen anbieten wollen.

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