Mehr als nur Konnektivität

Konnektivität ist nicht gleich IoT. Deshalb reicht die Vernetzung eines Produkts mit dem Internet allein nicht aus. Erst wenn diese Verbindung genutzt wird, um beispielsweise Betriebskosten zu reduzieren, neue Einnahmequellen zu generieren oder neue Dienstleistungen anzubieten, wird ein internetfähiges Produkt tatsächlich zu einem Bestandteil des Internets der Dinge.

Entwickler müssen sich die Frage stellen: Geht es darum, nur Konnektivität für ein Endgerät herzustellen? Oder soll die Vernetzung beispielsweise helfen, datenbasierte und praktikable Entscheidungen zu treffen oder ein Geschäftsmodell von Grund auf umzustellen? Ohne eine konkrete Antwort ist fraglich, ob der zusätzliche Aufwand überhaupt gerechtfertigt ist.

Vier Kernelemente

Im Wesentlichen besteht das IoT-Ecosystem aus vier Kernelementen: dem Produkt, der Konnektivitätsebene, der Anwendungsebene und der Cloud.

  1. Das Produkt steht an erster Stelle. Es verfügt über bestimmte Funktionen und ist im Wesentlichen für die Benutzererfahrung verantwortlich. Die Entwicklung unterscheidet sich dabei in der Regel stark vom Design eines herkömmlichen Geräts und durchläuft während der Planung und Realisierung einige Änderungen.
  2. Als nächstes gilt es, das Produkt zu „vernetzen“. Die Konnektivitätsebene stellt die Kommunikation zwischen dem Produkt und anderen Applikationen und/oder der Cloud her. Hier besteht die Herausforderung nicht nur in der Zuverlässigkeit der Datenübermittlung, sondern auch im Schutz der Daten – insbesondere wenn es sich um personenbezogene oder sensible Daten handelt. Ein grundlegendes Know-how der unterschiedlichen Technologien und Protokolle ist daher von zentraler Bedeutung.
  3. Auf der Applikationsebene ist das IoT in kürzester Zeit am stärksten gewachsen. Unternehmen entwickeln mehr und mehr Anwendungen, um Daten zu sammeln, Datenanalytik auszuführen und auf dieser Grundlage Geschäftsentscheidungen zu treffen. Für Gerätehersteller lohnt es sich, entsprechende Applikationen unvoreingenommen zu prüfen, ohne dabei die eigentliche Kernfunktion und -aufgabe ihres Produkts aus den Augen zu verlieren. Oft ist hier ein vorsichtiges Abwägen von zu leistendem Aufwand und erreichtem Mehrwert nötig.
  4. Als letzte Ebene des IoTs kann die Cloud angesehen werden – entweder Private, Public oder Hybrid. Hinsichtlich der Konnektivität im IoT ist die digitale Wolke allgegenwärtig geworden und ermöglicht die nahtlose und weltweite gemeinsame Nutzung von Daten.  

mHealth und Maintenance

Ein Vorreiter bei der Nutzung des IoTs in der Produktentwicklung ist die Life Science-Branche. Wearables wie Fitness-Tracker erfreuen sich weiter Verbreitung und nutzen die Möglichkeiten von Konnektivität in vollem Ausmaß, um Daten via Software-Applikationen in die Cloud zu schicken. Hier und im sogenannten mHealth (Mobile Health) übernehmen Smartphones bei medizinischen Verfahren und Anwendungen wichtige Funktionen. Gerätehersteller nutzen beispielsweise die Eigenschaften von iPhone und Co, um über Apps Daten zu sammeln und direkt an den Patienten oder das medizinische Fachpersonal weiterzuleiten. Neue Geschäftsmodelle eröffnet auch das Remote Monitoring von Patienten mit chronischen Beschwerden. So sind die Sensoren eines kardialen Überwachungssystems zwar am Körper des Patienten angebracht, die Übertragung der Daten erfolgt aber über das patienteneigene Smartphone.

In der Industrie sind es vor allem IoT-Lösungen der Anlagenüberwachung, die eine Reduktion von Stillstandszeiten und damit Kosteneinsparungen versprechen. Zum Einsatz kommen die Technologien u.a. bei der Fernübertragung von Daten, bei Updates vor Ort, Warenortung, Geolokalisierung, Facility Management, Anwesenheits-Erfassung und präventiver Instandhaltung. Die wachsende Menge an Daten legt jedoch auch die Latte für die Sicherheit von Unternehmen höher. Die Effizienz von Smart Factory und Predictive Maintenance sind deshalb immer auch mit Blick auf IT-Sicherheit und Datendiebstahl zu beurteilen.

Services besser monetarisieren

Generell bietet das IoT Vorteile für Unternehmen, die ihre Servicemodelle verändern oder neue Services anbieten wollen. Traditionelle Hersteller und Dienstleister in der Investitionsgüterindustrie entwickeln sich so zu Anbietern, deren Services leistungsabhängig statt pauschal abgerechnet werden können. Vor allem für Branchen, in denen Versicherungen, Haftungsansprüche, Lizenzierungen, Leasing- oder Leihangebote eine Rolle spielen, kann die Überwachung der Nutzung in Echtzeit Geschäftsmodelle grundlegend verändern.

Wie effektiv Entwickler das IoT nutzen können, hängt davon ab, wie gut sie die IoT-Anforderungen ihrer Kunden kennen. Erst dann gelingt die Realisierung eines Produkts, das nicht nur vernetzt ist, sondern echten Mehrwert für Kunden und Endanwender schafft. So kann sich das IoT von einem Trend zu einer echten Chance für Unternehmen entwickeln, bestehende Märkte auf neuen Wegen gewinnbringend auszuschöpfen.

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