Warum die Sicherheitsbranche das Internet der Dinge braucht

Dies ist eigentlich in den früheren Thin-Client- und Thin-Server-Technologien begründet, die Mitte der 1990er-Jahre populär waren. Experten für physikalische Sicherheit, die sich fragen, welche Auswirkungen das Internet der Dinge auf die Industrie der Zukunft hat, brauchen also nur in die Vergangenheit zurückzuschauen.

Die Hersteller von Sicherheitsprodukten stehen vor einer Herausforderung: Immer mehr IP-basierte Sicherheitsgeräte ersetzen ältere analoge Systeme. Die Anwender benötigen nun Hilfe, die wachsende Menge an Daten aus dem Internet der Dinge sinnvoll in das tägliche Geschäft zu integrieren.

Rückblick auf einen Trend der Zukunft

1995 war die Thin-Client-Technologie ein wachsender Trend, der vor allem von Oracle und Netscape vorangetrieben wurde. Unternehmen erhielten dadurch die Möglichkeit, mehreren Benutzern durch gemeinsame Nutzung eines Hochleistungsservers eine größere Verarbeitungsleistung bereitzustellen. Eine Thin-Client-Lösung reduziert nicht nur die Gesamtbetriebskosten für das komplette System. Die Nutzung einer zentralen Ressource war auch eine einfache Methode, um die Rechenleistung im gesamten Unternehmen auf einem hohen Niveau zu halten.

Axis Communications griff dieses „Thin-“Konzept wieder auf und entwickelte daraus die „Thinserver‑Technologie“. Das Ziel war es, das Netzwerk intelligenter zu gestalten, um Geräte innerhalb derselben Infrastruktur nicht nur wirtschaftlicher in der Anschaffung, sondern auch einfacher in der Bedienung werden zu lassen. Thinserver boten schnell einen Rahmen, um Servergeräte zu entwickeln, die sich dazu eignen, nahezu jedes Gerät an das Netzwerk anzuschließen: von optischen Speicher- und Haushaltsautomatisierungssystemen bis hin zu Modelleisenbahnen und Weihnachtsbaumbeleuchtungen.

Die wichtigsten Thinserver-Produkte, die damals entwickelt wurden, waren Netzwerk-Kameras und Video-Encoder, denn sie führten letztlich zur Umgestaltung einer ganzen Branche. Gegenwärtig sind weltweit zig Millionen Netzwerk-Videogeräte von vielen verschiedenen Herstellern installiert. Aufgrund der Netzwerkfähigkeit wurde es gängige Praxis, Video über größere Bereiche einzusetzen. Dadurch wurde beispielsweise der Einsatz von Videotechnik für Städte erschwinglich.

Dabei gibt es eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen der frühen Thinserver-Technologie und den aktuellen Trends im Internet der Dinge. In der Rückschau waren die Millionen Printserver wahrscheinlich schon die ersten in hoher Stückzahl eingesetzten Geräte des Internets der Dinge.

Die ersten Netzwerk-Kameras kamen 1996 auf den Markt. 1999 wurde LINUX in die Kameras eingebettet, um eine offene Architektur zu schaffen, die letztlich die Netzwerküberwachungsgeräte zu praktischen Lösungen für die Sicherheitsbranche werden ließ. Dieser offene Ansatz gegenüber der Systementwicklung wurde nicht nur das Geschäftsmodell von Axis, sondern revolutionierte auch die komplette Netzwerk-Video-Technologie.

In den letzten Jahren ergab sich mit der Begeisterung für die aufkommende IoT‑Technologie die Gelegenheit, Sicherheitsprodukte auf Basis des IoT-Konzepts zu entwickeln. Diese Produkte können nützliche Daten sammeln und sich automatisch mit anderen IoT-Geräten austauschen. Da es sich um netzwerkbasierte Geräte handelt, können sie aus der Ferne überwacht werden. Die Konnektivität zwischen Geräten bietet Endbenutzern eine umfassendere Lageerkennung für mehrere Standorte.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein IP-fähiges Zutrittskontrollsystem, das eine Tür in ein intelligentes IoT-Gerät verwandeln kann. Mit seiner IoT-Fähigkeit kann der Netzwerk‑Tür-Controller für eine Cloud-Umgebung konfiguriert werden, in der die Zutrittskontrolle zu einem Teil des gehosteten Systems wird. Dieses Betriebsmodell ist besonders gut für Umgebungen mit vielen entfernten Türen geeignet, bei denen integriertes Video als zusätzliche Sicherheit erforderlich ist.

Dank PoE ist ein solcher Netzwerk-Tür-Controller mit geringeren Installationskosten verbunden und erhöht ebenfalls die Zuverlässigkeit des Systems. Ein IP-basierter Tür-Controller lässt sich einfacher warten, ist flexibler und besser skalierbar. Außerdem sind die Gesamtbetriebskosten geringer als bei seinem analogen Gegenstück.

Um den Nutzen von IP-Kameras und netzwerkbasierten Tür-Controllern zu steigern, können Zusatzgeräte wie IP-Lautsprecher und Hornlautsprecher hinzugefügt werden. Beispielsweise kann der Hornlautsprecher als IoT-Gerät automatisch von einer Videobewegungserkennung oder einem Einbruchsmelder ausgelöst werden, um eine aufgezeichnete Audiomitteilung abzuspielen. Mit einem in ein Videoverwaltungssystem integrierten Gerät, kann beispielsweise ein Benutzer aus der Ferne Eindringlinge direkt ansprechen und so im Idealfall einen Vorfall verhindern. Aufgrund seiner IoT-Fähigkeiten und der offenen Branchenstandards lässt sich das Gerät problemlos in andere IoT-Geräte mit offenen Standards integrieren. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass einem Lautsprecher mit SIP-Funktion wie jedem anderen VoIP-Telefongerät eine reguläre Telefonnummer zugewiesen werden kann.

Auch in anderen Bereichen wie etwa einer Notrufstation kann das Internet der Dinge eine wichtige Rolle spielen. Eine Notrufstation mit Video ermöglicht ein sehr viel besseres Verständnis für die vorherrschende Situation. Eine Türstation mit SIP-Funktion lässt sich problemlos in ein Notruftelefonsystem integrieren, um jedem Alarm die richtige Priorität zuzuordnen. Außerdem sind die bei der Installation und Systemintegration erzielten Einsparungen beachtlich.

Weitere innovative Technologien für das Internet der Dinge

Offene Standards als Basis für IoT-Geräte haben den Markt für physische Sicherheit verändert. Dabei war Power over Ethernet eine der größten Innovationen hinsichtlich der Systemkosten. Durch die Möglichkeit, dasselbe Kabel sowohl für die Stromversorgung des IoT-Geräts als auch zur Übertragung von Daten zu verwenden, haben sich die Installationskosten erheblich reduziert, denn es sind nicht nur weniger Kabel, sondern auch weniger Arbeitsstunden zur Geräteinstallation erforderlich. Anders als bei analogen Video‑Kameras, Kartenschlüsselsystemen und Gegensprechanlagen sind bei PoE keine teuren Koaxialkabel von der Kamera zu einem Aufnahmegerät oder einer Sicherheitszentrale erforderlich. Beim Einsatz von PoE in der Netzwerkstruktur ist nur ein einziges Kabel von einem IoT-Gerät zu einem zentralen PoE-Switch erforderlich. Vom PoE-Switch führt ein einzelnes Kabel, das die Daten von allen daran angeschlossenen IoT-Geräten überträgt, zum Aufnahmegerät oder zur Sicherheitszentrale.

Eine weitere wichtige Neuerung waren die Cloud-Services. IoT-Geräte eignen sich als netzwerkbasierte Technik hervorragend für Managed Services. Die IoT-Geräte selbst sind für die Endbenutzer die einzige direkte Investition. Der Serviceanbieter kümmert sich, gegen eine feste monatliche Gebühr, um den Rest des Systems: die Datenspeicherung, ein sicheres Web-Portal für den Benutzerzugang, Systemaktualisierungen, autorisierte Benutzerverzeichnisse, kontinuierliche Wartung usw. Durch die Verlagerung der Kosten für Überwachung, Zutrittskontrolle und andere physische Sicherheitssysteme von den Kapitalkosten auf die Betriebsausgaben werden die Vorteile des Internets der Dinge für Endbenutzer sehr viel günstiger.    

Das Internet der Dinge ist überall

Das Internet der Dinge findet in der Welt der Verbraucher eine weite Verbreitung. Intelligente Thermostate senden Alarmmeldungen an die Wohnungseigentümer. Mit einer Babykamera haben Eltern von der Arbeit aus ihr Kind im Blick. Es gibt sogar intelligente Kühlschränke, die automatisch Produkte nachbestellen, wenn die Vorräte zur Neige gehen.

Das Internet der Dinge hilft Unternehmen dabei, alle ihre Sicherheitssysteme über eine einzige, einheitliche Plattform zu verwalten: von Einbruchssensor und Feueralarm über Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Lautsprecher und Notrufstationen bis hin zu Video‑Gegensprechanlagen. IoT-Überwachungsgeräte lassen sich sogar mit Umweltschutzeinrichtungen verbinden um sicherzustellen, dass die Klimaanlagen eines Gebäudes im Rahmen der eingestellten Parameter laufen.

Mit den Möglichkeiten kommt auch die Verantwortung

Je größer die Möglichkeiten im positiven Sinne sind, desto größer ist die Motivation für Hacker ihr Unwesen zu treiben. Absolute Sicherheit gegenüber Mißbrauch gibt es nicht, es kommt vielmehr darauf an die Prozesse durch alle beteiligten Ebenen – Hersteller, Installateur, Endanwender – so zu gestalten, dass im Falle eines Cybersecurity Problems die Problembehebung, bspw. durch Einspielen eines Patches, so einfach und effizient wie möglich gestaltet wird.

Für den Endanwender ist es ratsam sich bei der Auswahl der IoT Komponenten an Herstellern zu orientieren, die vertrauenswürdig sind und einen professionellen Umgang mit dem Thema Cybersecurity an den Tag legen.

Ansonsten wird – wie bereits mehrfach in der Vergangenheit geschehen – das Internet of Things schnell zum Botnet of Things.

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