Umgang mit den Ausreden

In meinem vorigen Kommentar habe ich mehrere Gründe für das Ausbleiben der Digitalisierung in Unternehmen aufgeführt. Jetzt geht es darum, wie mit diesen vermeintlich sachlichen Gründen umgegangen wird. Sind die genannten Argumente nicht eher Ausreden?

Auf jeden Fall können sie geclustert werden in:

  • Digitale Infrastruktur
  • Wirtschaftlichkeit
  • Mitarbeiter, Know-how und Unternehmenskultur

 

Digitale Infrastruktur

Hängt die digitale Zukunft des Unternehmens von einem schnellen Internetanschluss ab? Wohl kaum. Was machen Sie, wenn Sie morgen den dringend benötigten schnellen Internetanschluss haben? Was können Sie ohne diesen Anschluss hinsichtlich der Digitalisierung unternehmen?

Es vergeht keine Woche, ohne dass Wirtschaftsverbände den Ausbau der digitalen Infrastruktur fordern und die Politik eine unverzügliche Umsetzung verspricht. Abwarten, bis die Infrastruktur vorhanden ist, kann für kein Unternehmen eine ernst zu nehmende Option sein.

Wirtschaftlichkeit

Sie haben keinen Business Case für ihre Digitalisierungsvorhaben mit einem ROI innerhalb von zwölf Monate rechnen können? Es geht bei der Digitalisierung nicht nur um Umsatzsteigerung oder effizientere Prozessabläufe im Unternehmen, sondern um langfristige Wettbewerbsfähigkeit und somit die Existenz des Unternehmens. Diese wird durch ausbleibende Digitalisierungsvorhaben gefährdet. Keine Frage: Digitalisierung als Selbstzweck kann und darf jedoch niemand als Motivation nehmen.

Ihre Auftragsbücher sind voll und somit sehen Sie keinen Bedarf, etwas zu ändern. Außerdem haben Sie auch keine Zeit. Alle Kräfte sind eingebunden, um die anstehenden Aufträge abzuarbeiten. Der Erfolg gibt Ihnen an dieser Stelle somit natürlich Recht. Aber wird das zukünftig auch noch so sein? Es stellt sich die Frage nach dem optimalen Augenblick für Veränderungen – diese werden durch die Digitalisierung auf jeden Fall stattfinden. Wann ist also der richtige Zeitpunkt? Jetzt!

Mitarbeiter, Know-how und Unternehmenskultur

Kommen wir zu den Gründen aus dem Personalbereich. Es fehlen schlicht und einfach die Macher, die das Vorhaben „Digitalisierung“ bei Ihnen angehen. Die aktuellen Mitarbeiter sind dazu nicht in der Lage: Sie sind nicht entsprechend ausgebildet und das Wissen über Möglichkeiten der Digitalisierung und die Methoden zur Umsetzung fehlen. Zumindest für die Einführung vernetzter Technologien und intelligenter Steuerungssysteme benötigen Sie profundes Fachwissen. Da heißt es dann „make or buy“. Neue Mitarbeiter mit dem entsprechenden Profil müssen auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt gefunden, eingestellt und langfristig ausgelastet werden. Oder das benötigte Know-how wird als externe Dienstleistung eingekauft. Allerdings sind Absolventen der Universitäten selbst mit einem Master-Abschluss noch lange nicht so weit, dass sie über das notwendige, praktische Wissen verfügen.

In Unternehmen werden sie dennoch als Hoffnungsträger gesehen und mit entsprechenden Erwartungen eingestellt. Das ist der Zeitpunkt, an dem sie Bekanntschaft mit der Unternehmenskultur machen. Wie werden die jungen Mitarbeiter gefördert und auch gefordert? Tragen sie bereits ein wenig Verantwortung und müssen sie in diesem Rahmen Entscheidungen treffen? Wie wird mit ihnen umgegangen, wenn sich ihre Entscheidungen als wenig vorteilhaft herausstellen? Es geht also um Mut zur Entscheidung sowohl beim Top-Management als auch und insbesondere beim mittleren Management.

Entscheiden und zielorientiert Handeln

Betrachtet man die Gründe für die fehlende Digitalisierung wie auch den Umgang damit, fällt auf, dass sie nicht technischen Ursprungs sind. Vielmehr sind sie menschlicher Natur. Bevor man einen Fitness-Check macht, ist es besser, die Ziele der Digitalisierung (z.B. in einem Zielfindungsworkshop) zu definieren und anschließend zur Bestimmung der Ausgangsposition eine gründliche Aufnahme und Analyse der Ist-Situation durchzuführen.

Digitalisierung bedeutet dauerhafte Veränderung für alle Beteiligten. Insbesondere für die Unternehmensführung heißt es, den Mut zum Entscheiden und Handeln zu haben. Abwarten und schauen, was der Wettbewerb macht, bringt jedes Unternehmen eindeutig ins Hintertreffen.

Die Unternehmensführung definiert die Ziele und ist gefordert, ein Umfeld für die Mitarbeiter zu schaffen, in dem sie diese Ziele erreichen können.

Häufig fehlt es genau an diesen Zielvorgaben. Ältere Führungskräfte am Ende ihrer Karriere, scheuen den Aufwand, sich mit der digitalen Zukunft zu beschäftigen. Der Schaden für das Unternehmen ist immens – mit fatalen Folgen.

Appell

Lassen sie die Ausreden sein und stellen sie sich den Tatsachen. Die digitale Infrastruktur entwickelt sich weiter und sie werden sie entsprechend nutzen können. Bereiten sie sich heute schon darauf vor. Anstatt zu überlegen, was wohl passieren wird, wenn sie auf den Zug der Digitalisierung aufspringen, denken sie daran, was wohl passieren wird, wenn sie es nicht tun. Kann sich ihr Unternehmen dies leisten?
Schaffen Sie eine Unternehmenskultur, die eine dauerhafte und nachhaltige Veränderung im Unternehmen unterstützt, denn die Digitalisierung wird das Unternehmen dauerhaft verändern.

 

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