Privatpatienten: Raus aus der Beitragsfalle

PKV wird immer teurer – ein Ende der Beitragserhöhungen scheint nicht in Sicht. Zum Glück gibt es Wege aus der Beitragsfalle und es lassen sich dauerhaft Tausende von Euro einsparen.

Laut Bundesministerium für Gesundheit sind rund 8,7 Millionen Deutsche privat krankenversichert. Sie profitieren zwar von besseren Leistungen, werden aber in den letzten Jahren mit Beitragserhöhungen verstärkt zu Kasse gebeten. Durchschnittlich steigen die Beiträge der privaten Krankenversicherung (PKV) laut Branchenverband um drei Prozent pro Jahr. Weil die Steigerung nicht jedes Jahr direkt weitergegeben wird, kamen so beispielsweise im Jahr 2017 im Durchschnitt zehn Prozent Erhöhung bei den Versicherten an.

Rund um den Jahreswechsel bekommen viele privat Krankenversicherte wieder ein Schreiben von ihrer Versicherung. Immobilienexperte Alex Fischer aus Düsseldorf war einer von ihnen: „Die wollten rund 100 Euro pro Monat mehr Beitrag von mir. Für die gleiche Leistung.“ Erklärung gab die Versicherung auch ab: gestiegene Krankheitskosten. Gleichzeitig sind auch die gesunkenen Zinsen wichtiger Grund, warum die PKV immer teurer wird. Was die privaten Versicherer monatlich einnehmen, legen sie zum Teil für ihre Kunden zurück. Denn sind diese älter, steigen die Kosten und bisher sorgten die Zinsen dafür, dass sich das Geld vieler Versicherter vermehrt und damit die gestiegenen Kosten trägt. Weil seit Jahren die Verzinsung sinkt, geht das Geschäftsmodell der Versicherer nicht mehr auf. Die Folge: immense Beitragserhöhungen.

„Privat Krankenversicherte sitzen in einer Falle, aus der sie scheinbar nicht mehr herauskommen“, erläutert Finanzexperte Dieter Homburg. Spätestens, wenn das Einkommen sinkt oder eine Krankheit kommt, frisst die Versicherung einen Großteil der Einnahmen oder der Rente auf. So lange die Zinspolitik so bleibe, sind regelmäßige Mehrkosten bei der PKV vorprogrammiert, so der Autor des Buchs Altersvorsorge für Dummies. Als Folge davon verlieren die privaten Krankenversicherer mehr und mehr Kunden. Von 2013 rund neun Millionen Mitgliedern, sind bis 2019 bereits rund 300.000 von ihnen abgewandert. Gerade die jungen und gesunden Beitragszahler, die das System erst ermöglichen, binden sich weniger leichtfertig an die Privaten. Dazu kommt: Immer weniger Staatsbedienstete werden verbeamtet, eine immer weiter sinkende Kundengruppe der PKV.

Menschen wie Alex Fischer fragen sich, ob diese Spirale für immer weitergehen muss. „Falls mein Einkommen einmal sinken wird, wird die PKV schwierig zu finanzieren“, sagt der 46-Jährige. Erst vor kurzem hat er erfahren, dass es zum Beispiel möglich ist, innerhalb seiner Versicherung in einen günstigeren Tarif zu wechseln. Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs von 2004 müssen Allianz, DKV und andere nämlich auf Anfrage günstigere Tarife zu gleichen Leistungen vorhalten. „Ein wichtiges Urteil, von dem fast niemand weiß“, beobachtet Homburg. Bei einer Leseraktion gemeinsam mit dem Magazin Focus beriet er im letzten Jahr rund 1500 Fälle gratis, um auf das verbraucherschutzrechtliche Thema aufmerksam zu machen. „Es ist unglaublich, wie viele Menschen unter den hohen Kosten leiden. Mit der richtigen Beratung und einem guten Anwalt im Rücken konnten wir den Betroffenen im Schnitt 2000 Euro pro Jahr einsparen“, sagt Homburg.

Wer in einen günstigeren PKV-Tarif wechseln möchte, bekommt immer wieder Schwierigkeiten. Nur ungern rückt das Versicherungsunternehmen die bezahlbare Police heraus. Stattdessen wird mit Leistungskürzungen oder Eigenbeteiligung argumentiert. „Darauf sollten sich PKV-Versicherte nicht einlassen. Sie haben das Recht auf gleiche Leistungen ohne weitere Gesundheitsprüfung“, so der Experte für Altersvorsorge. Wer bereits mit seiner Versicherung im Clinch liegt, kann sich bei unabhängigen Beratern oder der Verbraucherzentrale Hilfe holen. „Mit einem spezialisierten Anwalt im Rücken lässt sich die Sache meist binnen einiger Wochen klären“, verrät Homburg.

Auch für Alex Fischer hat sich die Sache zum Guten gewendet, ihm konnten mit Dieter Homburgs Ansatz rund 2000 Euro pro Jahr eingespart werden.

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