Ausblick zur vernetzten Fabrik

Atheneum: Welchen Trends und zentralen Herausforderungen müssen Entscheidungsträger im Hinblick auf Industrie 4.0 in den nächsten Jahren begegnen?

Wulf Schlachter: Aktuell gibt es noch keine einheitlichen Industriestandards, die zumindest EU-weit den Einsatz von Sensorik festlegen. Die bisherigen Initiativen von namhaften deutschen Konzernen wie Siemens, SAP oder auch Bosch reichen noch nicht aus. Speziell beim Einsatz von intelligenten Plattformen erfordert das einen erhöhten Grad an integrativem Aufwand, um das jeweilige IT-System mit dem Connected Device zu verbinden. Auch das Thema Datensicherheit von Sensoren wird in diesem Zusammenhang zunehmend eine Rolle spielen, was wir ja auch schon von den Diskussionen rund um die Sicherheit von Cloud-Lösungen kennen.

Wie sehen Sie die Stimmung in Ihrer Branche?

Ich sehe hier grundsätzliche eine sehr positive Entwicklung in Deutschland, verbunden mit einem riesigen Wachstumspotential bis 2025.

Auf welche Strategien setzen Unternehmen, um die Industrie-4.0-Vorgaben umzusetzen?

Eine erfolgreiche End-to-end-Wertschöpfung umzusetzen, ist für mich als Management- und Strategieberater entscheidend. Das betrifft die Auswahl und Funktionsweise des Sensors, neue E-Commerce-Modelle, sowie die Integration von bestehenden Tracking- oder auch neuen Kundenbindungssystemen und Social-Media-Komponenten.

Gibt es wesentlichen Erfolgsfaktoren, die sich Unternehmen als Ziel setzen können?

Ein Erfolgsfaktor ist die Strategie mit Partnering-Modellen zu agieren, anstelle zu versuchen alles aus einer Hand selbst zu lösen. Das ermöglicht den Fokus auf die eigentlichen Stärken rund um Produkte oder Maschinen. Spätestens im Hinblick auf Algorithmen der Sensoren werden viele Produktentwickler scheitern. Der Markt bietet bereits Sensorentwicklungs-Kits (XDK) mit entsprechenden API-Schnittstellen, um die Möglichkeiten und Funktionsweisen von Sensoren für Unternehmen zu testen.

Wenn Sie einen Ausblick wagen sollen, was wird sich grundlegend mit dem Internet of Things und Industrie 4.0 verändern?

Mit der Omnipräsenz von Sensoren werden neue Geschäftsmodelle entstehen, die eigene und fremde Sensordienstleistungen im eigenen Ökosystem (speziell bei der Datenanalyse) nutzen und massiv erleichtert. Vergleichbar mit den ersten Trends im Bereich Cloud Service Brokerage wird es auch eine Form von IoT-Brokerage bzw. neuartige Sensor-Aggregationsmodelle geben.

Also sind neue Geschäftsmodelle eine Grundvoraussetzung die Vorhaben der Digitalisierung erfolgreich umzusetzen?

Immer wieder taucht im Markt ein unbekannter Wettbewerber aus dem Nichts auf und überholt binnen kurzer Zeit die etablierten Marktführer. Wer sich bei der Digitalisierung seines Geschäftsmodells, Leistungsportfolios und der Marktbearbeitung zu lange in Sicherheit wähnt, begibt sich in Gefahr, von neuen agilen und innovativen Playern verdrängt zu werden. Dies gilt explizit für IoT- und Industrie-4.0-Projekte.

Was ist für Sie der wichtigste Trend der letzten zehn Jahre?

Gewinnen heißt nicht Erster sein: „In vielen Bereichen heißt Gewinnen nicht, als Erster fertig zu sein. Es heißt, die Regeln des Spiels zum eigenen Vorteil zu ändern.“ (McKinsey-Report). Als Beispiel sind natürlich Google, Apple, Amazon und Facebook zu nennen, die es geschafft haben, unsere Informationsnutzung grundlegend zu verändern.

Mit welchem großen Strategen würden Sie gerne Ihre Entscheidung abstimmen?

Mit der Dame in meinem Navigationssystem – auch sicher mal lautstark – über meine eigene Entscheidung doch nicht über die A7 nach Hamburg zu fahren. Sondern über die Elbbrücken, um dann eben nicht morgendlich vor dem Elbtunnel im Stau zu stehen.

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