Pressearbeit at its worst

Es gibt zahllose Pressestellen von B2B-Unternehmen in Deutschland, die eine hervorragende Arbeit machen. Medienanfragen werden möglichst rasch und kompetent beantwortet, Pressemitteilungen haben einen hohen Nachrichtenwert etc. Ein kleiner Mittelständler in Neu-Ulm gehört definitiv noch nicht zu diesem erlesenen Kreis . Er steht vielmehr exemplarisch für kleine und mittlere Betriebe (KMU), die noch immer nicht wissen, wie man mit Medien professionell umgeht. 

Kein Ansprechpartner unter „Presse“

Was war passiert? Eine Fachzeitschrift wollte bei jenem Mittelständler im Vorfeld einer Fachmesse aktuelle Informationen erfragen. Denn die Firma aus Neu-Ulm war als Aussteller auf besagter Messe registriert. Die erste Hürde für die Redaktion stellte bereits die Website dar. Es war zum einen ärgerlich, dass die Seite nicht für Smartphones oder Tablets optimiert war (responsive Design). Viel schlimmer war aber die Tatsache, dass unter dem Menü-Unterpunkt „Pressekontakt“ kein  Ansprechpartner namentlich benannt wurde (bei ganz kleinen Firmen übernimmt häufig der Geschäftsführer diese Funktion oder der Marketingverantwortliche ). Da kein Name angegeben war, war es nur konsequent, lediglich die zentrale Telefonnummer sowie die allgemeine E-Mail-Adresse anzuführen.

Für Journalisten steht hinter solch einer – im KMU-Umfeld nicht seltene – Konstellation folgende klare Botschaft des Unternehmens:

  1. Wir wollen mit Medien nichts zu tun haben.
  2. Wenn Medien dennoch etwas von uns wollen, haben wir einfach keinen Ansprechpartner.
  3. Sollten Journalisten diesen Umstände zum Trotz zum Hörer greifen und die angegebene Telefonzentrale anwählen, dürfen sie sich auf eine individuelle Version des Buchbinders Wanninger freuen.

Redaktion mit Redaktionsbüro verwechselt?

Doch zurück zum konkreten Fall: Die Redakteurin der renommierten Fachzeitschrift wählte bei ihrer Suche nach aktuellen Informationen über das Neu-Ulmer Unternehmen dessen Telefonzentrale an und wurde mit der Assistentin der Marketingverantwortlichen verbunden. Auf die Frage der Journalistin, ob die Firma bereits eine Presseinformation über ihren anstehenden Messeauftritt ausgearbeitet habe, kam diese überraschende Antwort: Man habe bereits jemanden, der Pressemitteilungen schreibe und bräuchte die Dienste der Redaktion nicht. Aufgelegt!

Da seitens des Mittelständlers ganz offensichtlich Redaktion mit Redaktionsbüro verwechselt wurde, fasste sich die Journalistin ein Herz und wählte die Nummer erneut. Wieder wurde sie – trotz entsprechender Bitten – nicht mit der Marketingverantwortlichen verbunden, sondern blieb bei deren Assistentin hängen. Geduldig brachte die Redakteurin ihre Bitte um eine Messeinformation ein zweites Mal vor. Zur Antwort erhielt sie die Aufforderung, ihre Bitte schriftlich an die Firma zu richten. Welche Mail-Adresse? Natürlich die allgemeine Unternehmensadresse. Wie angesichts der Vorgeschichte fast zu erwarten war, wartet die Redakteurin noch immer vergeblich auf eine Antwort. 

So vergrätzt man Medien

Das Besondere an diesem Fall: Es ging nicht um Medien, die einen Skandal aufdecken oder sonstige kritische Fragen stellen wollten – was natürlich auch völlig legitim gewesen wäre. Es ging um ein Fachmedium, das wohlwollendes Interesse an dem hatte, was das KMU auf der Messe ausstellen wollte. Ein professioneller Umgang mit diesem Ansinnen hätte wahrlich anders ausgesehen. So wird der Mittelständler wohl ohne redaktionelle Begleitung im Fachmagazin auf die Messe gehen müssen. Andererseits gibt er mit seinem Verhalten ein Paradebeispiel dafür ab, wie man mit einer unprofessionellen Pressestelle genau jene Ziel- bzw. Anspruchsgruppe vergrätzen kann, für die diese Stelle eigentlich geschaffen wurde. Das ist des Pudels Kern.

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