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Richtige Wege zur Digital Readiness für Logistiker

In den Medien steht Logistik in Sachen Digitalisierung schlecht da – letzter Platz im Branchenranking und deshalb Kritik von allen Seiten. Zugleich ist auf den Führungsetagen vieler Logistiker Ratlosigkeit zu spüren: Was bitte sollen wir denn digitalisieren? Vor allem der Blick nur auf IT ist ein großer Fehler. Der Dschungel sich regelmäßig widersprechender News, Studien und Innovationsmeldungen macht die Entscheidungslage nicht einfacher – ganz offensichtlich wird die Dynamik der Logistikbranche falsch eingeschätzt. Meist sind die Kunden die Besitzer der Daten und geben IT-Anforderungen vor. Das schränkt eigene digitale Initiativen schon drastisch ein. Damit werden auch Investitionen in Digitalisierung Verhandlungssache. Man sollte auch den Beitrag, den die Logistik bislang bei der Steuerung und Abwicklung von Logistikketten geleistet hat, nicht vergessen. Darunter gibt es viele bereits bewährte Anwendungen und Methoden, die längst noch nicht allgemeiner Standard sind.

Auf eigene Faust digitale Vorzeigeprojekte loszutreten, ist vielleicht Sache der Big Player, nicht aber für einen solide kaufmännisch kalkulierenden Mittelstand, solange nicht ein Kunde als Auftraggeber dahinter steht. Also doch alles auf Entwarnung? Und bedeutet Digitalisierung überhaupt immer Ausbau von IT-Lösungen?

Aus einer Vielzahl von Gesprächen der jüngeren Vergangenheit ist ein Leitfaden entstanden, mit dem sich eine ganze Menge Klarheit schaffen lässt.

Digitalisierung ist nur ein Schlagwort

Es besagt nichts über richtige Strategien. Die Marker nur an Digitalisierungs-Trends wie Big Data oder Internet of Things zu setzen, ist kein Ansatz für zukunftsorientierte IT und Organisation. Selbst Kai Goerlich, Chief Futurist des Softwarekonzerns SAP räumt ein, dass vieles, was jetzt als Revolution vorgestellt wird, lediglich gute Marketingstrategie sei.

Industrie 4.0 verändert die Spielregeln

Produktionskonzepte wie Production on Demand können konsequenterweise zu einer Abkehr von bisherigen Globalisierungsstrategien hin zu regionalen Zuliefernetzwerken, anderen Bestands- und Verteilkonzepten führen, um digitale Zeitvorteile nicht wieder durch lange Lieferketten zu verlieren. Zeit wird ein größerer Faktor werden als Kostenvorteile in Billiglohnländern oder große Stückzahlen, d. h. die nächste Logistikausschreibung eines Stammkunden könnte schon radikal andere Anforderungen beinhalten.

Digital Readiness

Die Kernstrategie von Logistikdienstleistern muss daher Digital-Readiness lauten: Was die Kunden zukünftig planen, sollte man nicht erst aus der Tagespresse oder bei Vertragskündigung erfahren. Im Kern heißt das, IT, Prozesse, Mitarbeiter zu einer Digital Readiness zu führen, um auf Marktveränderungen bzw. Kundenanforderungen kompetent mit Lösungsvorschlägen reagieren zu können. Dies beginnt meist schon mit der Frage: Wie gut sind wir im Branchenvergleich schon aufgestellt? Verfügen wir z. B. schon über ein leistungsfähiges Prozess- und Wissensmanagement?

Digitalisierung und Skaleneffekte

Viele Logistik 4.0 Pilotanwendungen wie z. B. intelligente Ladungsträger bleiben heute im Versuchsstadium, weil Einzellösungen keine kritisch-wirtschaftliche Masse bilden. Der Schritt vom Labor in den Echtbetrieb scheitert aber zum Teil auch an technischer Zuverlässigkeit unter Realbedingungen oder ganz einfach an Stückkosten.

Keine Standardgeschäftsmodelle/Blaupausen

»Die« Digitalisierung von der Stange gibt es nicht, schon gar nicht von Anbietern ohne Markt-Background. Digitalstrategien sind daher bislang individuelle Lösungswege, vergleichbar der Logistik in den 80er, frühen 90er Jahren: Pionierarbeit.

Insellösungen?

Die Stärke der Logistik ist es Partner in der Kette zu vernetzen, kundenorientierte Lösungen sind der Anfang von Standards, diese Reihenfolge bleibt sinnvoll.

IT oder Management?

Die Verantwortung für Digital Readiness liegt zunächst bei der Unternehmensleitung und Key-Account-Management, Entwicklung früh zu erkennen, einzuschätzen wie die Organisation und IT darauf vorbereitet ist, erst daraus ergeben sich auch notwendige Maßnahmen.

Logistiker sind daher gut beraten, wenn sie sich erst einmal Gesprächspartner suchen, die nicht gleich Must-Have-Lösungen anbieten wollen.

Absatzplanung im Supply Chain Management

Ein stetig wachsendes Produktangebot, welches über den Multi-Kanal-Vertrieb an Kunden weltweit gebracht werden soll, stellt die gesamte interne Lieferkette vor enorme Herausforderungen. Umso wichtiger ist eine gute vorgeschaltete Planung aller Supply-Chain-Prozesse, beginnend mit der Planung des künftigen Absatzes. Die Masse an neuen Daten, die durch Marktveränderungen, Saisonverkäufe, Störungen oder Verkaufsaktionen generiert wird, sollte diese Planung eigentlich unterstützen, doch wirkt sie auf viele Planungsverantwortliche erst einmal wie ein unüberwindbares Informations-Chaos. Grund dafür ist jedoch nicht das Unwissen der Fachkräfte, sondern ein meist mangelndes Datenmanagement, Inseldenken und unzureichende Software.

Bestandteile einer Planung

Damit eine Absatzplanung, auf die sich alle Prozesse im internen Supply Chain Management stützen, verlässlich, kundenorientiert und bereichsübergreifend geschieht, müssen die folgenden drei Dinge erfüllt sein:

Informationen aller Abteilungen zusammenbringen

Die ganzheitliche Betrachtung der internen Lieferkette ist elementar für eine Absatzplanung. Denn der Kundenwunsch bestimmt letztlich nicht nur die Produktion, sondern auch vernetzte Prozesse im Lager, der Disposition, in Vertrieb und Marketing. Eine Inselplanung – das wissen wir schon lange – kann kein unternehmerisches Gesamtoptimum erzielen. Wenn aber Ziele, Nebenbedingungen und Wechselwirkungen aller Teile bekannt sind, können sie auch in einer Gesamtplanung berücksichtigt werden. Eine große Informationssammlung macht jedoch den Planungsprozess um ein Vielfaches komplexer. Das mag den Eindruck erwecken, Flexibilität und Kurzfristigkeit müssten einer guten Planung weichen. Das ist aber nicht zwingend der Fall, denn hier setzt die Intelligenz von Algorithmen an. Dies führt uns zu Nummer zwei:

Der Blick in den Rückspiegel

Vergangenheitswerte dienen uns als Entscheidungsgrundlage für die Zukunftsplanung, denn sie sind faktisch und damit – sofern sie gewissenhaft erfasst werden – eine nicht anzweifelbare Datenbasis. Auf dieser Basis kann mithilfe von Prognosealgorithmen die Zukunft vorausgesagt werden. Doch in jeder Situation blind darauf zu vertrauen, kann Konsequenzen haben. Nach diesem Verfahren kam es beispielsweise Anfang August auf der A3 am Leverkusener Kreuz zu einem Stau mit stundenlanger Wartezeit. Der Grund: Baustelle. Der Ärger war (selbstverständlich) groß und dennoch erläuterte der Planungsverantwortliche, dass an diesem Wochenende inmitten der Sommerferien (NRW) eigentlich das geringste Verkehrsaufkommen sein sollte – dies habe eine Berechnung auf Vergangenheitswerten ergeben. Fraglich ist, ob die am gleichen Tag stattgefundene Fußball-Saisoneröffnung in der Leverkusener BayArena, nahe gelegen am Autobahnkreuz, ebenfalls in die Planung eingeflossen ist…

Fazit: Der Blick in die Vergangenheit ist für die Planung des zukünftigen Absatzes von hoher Bedeutung. Auf Vergangenheitswerte können intelligente Prognoseverfahren aufsetzen und für die Mehrheit der zu planenden Einheiten eines Unternehmens bereits einen sehr verlässlichen Ausblick über das künftige Absatzverhalten geben. Jedoch ist dies allein nicht genug, denn unvorhergesehene und außerordentliche Störungen sind unvermeidbar und müssen in eine Planung unbedingt einbezogen werden. Nummer drei:

Menschliche Expertise in eine agile Planung einbinden

Die Intelligenz von Planungssystemen ist auf unserem heutigen Stand der Technologie weit entwickelt. Sie wächst mit den Fortschritten in künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. Und dennoch wird es immer Einflussfaktoren auf eine Planung geben, welche nur über die menschliche Expertise eingeschätzt werden kann – sei es ein Fußballspiel im Stadion neben der geplanten Baustelle oder beispielsweise ein mögliches Fahrverbot für dieselbetriebene LKW, das Auswirkungen auf die Logistik hat. Worin Software in dieser Situation allerdings unterstützen sollte, ist agile Optimierung als Handlungsprinzip. Hier leistet entscheidungsintelligente und agile IT eine schnelle Anpassungsfähigkeit durch Informationsverarbeitung von Echtzeit-Daten in enorm kurzer Zeit.

Fazit

Die Kombination aus einer abteilungsübergreifenden Planung, Vergangenheitsdaten, Expertise erfahrener Planer und smarter IT als das zusammenführende Dachelement ermöglicht eine verlässliche und realistische Absatzplanung. Denn werden erst einmal alle Daten in einem gemeinsamen Softwaresystem intelligent und integriert verarbeitet, sind Folgeprozesse harmonisiert und das Unternehmen arbeitet im Takt des Marktes und mit Blick auf den Kunden. Damit können auch sich ausweitende Artikelspektren unter einem zunehmenden Liefer- und Kostendruck effizient gemanagt und die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.

Klimafreundliche Logistik – Welche Möglichkeiten gibt es?

Der Fortschritt in den letzten 150 Jahren verdankt sich zu einem Großteil der Energiegewinnung durch kohlenstoffhaltige Substanzen wie Kohle, Öl und Gas. Ihre Verbrennung setzt das farb- und geruchlose CO2 frei. Zum Problem wird Kohlendioxid in der Atmosphäre, denn steigt zu viel davon auf, wirkt es als Treibhausgas – und  verhindert dann, dass die Wärmestrahlung der Erde entweichen kann.

2013 war der Ausstoß auf gewaltige 36 Mrd. Tonnen angewachsen. Zugleich stieg die globale Durchschnittstemperatur seit der Industrialisierung um durchschnittlich 1,2 ° C an. Steigt die globale Erwärmung auf 2° C, erwarten Experten Wetterextreme mit kaum zu bewältigenden ökonomischen Folgen. Diese Daten stecken auch hinter der Forderung nach einer klimafreundlichen Logistik.

Welche Mittel gibt es für eine klimafreundliche Logistik?

Es ist im Grunde wie immer: Ideen gibt es viele. Welche davon sich sowohl ökologisch als auch ökonomisch und nicht zuletzt auch logistisch durchsetzen werden, ist derzeit noch nicht auszumachen. Es ist davon auszugehen, dass der Verkehr zunehmen wird. Damit steht eine Säule der klimafreundlichen Logistik bereits fest: Größere Effizienz der Transporte. Denn Effizienz schafft auf dem hart umkämpften Logistikmarkt immer auch Wettbewerbsvorteile. Aber Effizienz-Steigerungen alleine werden nicht reichen, gefragt sind daher innovative Ideen, neue Techniken für die Straße.

Innovationen für klimafreundliche Logistik

E-Fuel

Um die Klimaziele zu erreichen, werden Diesel- und Benzin-Motoren in den kommenden Jahrzehnten aus unseren Autos verschwinden müssen. An ihre Stelle könnten klimaneutrale Verbrennungsmotoren treten. Statt Benzin und Diesel würde dann ein synthetischer Kraftstoff verbrannt. Der auch E-Fuel genannte Kraftstoff entnimmt bei der Herstellung so viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre wie später bei der Verbrennung freigesetzt wird. Der Nachteil liegt in den hohen Kosten. Die fallen bei der Herstellung der synthetischen Kraftstoffe derzeit noch rund dreifach höher aus als bei fossilen Brennstoffen.

Oberleitungs-Lkw

Vor allem das Bundesumweltministerium setzt daher auf eine Elektrifizierung der Autobahnen. Oberleitungs-Lkw liefern derzeit die volkswirtschaftlich betrachtet günstigsten Prognosen. Auf den E-Highways würden die Lkw direkt kein CO2 freisetzen. Gelänge es, den Strom komplett regenerativ zu gewinnen, wäre die Bilanz tatsächlich klimaneutral. Nachteil der Oberleitungen wäre allerdings, dass sie den Lkw-Verkehr nur auf bestimmten Strecken ermöglichen.

Verlagerung von Transporten von der Straße auf klimafreundlichere Transportmittel

Vergleicht man die Treibhausgasemission von Güterbahn und Binnenschiff mit der des Lkw, ist letzterer klar im Nachteil. Während der CO2-Ausstoß der Güterbahn bei 24 Gramm pro Tonnenkilometer (g/tkm) liegt, sind es beim Lkw 101 g/tkm, beim Binnenschiff 31 g/tkm. Der Gedanke liegt daher nahe, möglichst viele Verkehre von der Straße auf Bahn oder Schiff zu verlagern.

Auch in Deutschland ließe sich durch eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf Schiene oder Wasser der CO2-Ausstoß senken. Doch schon seit Jahren profitiert vom Transport-Boom vor allem der Straßenverkehr. Selbst der umweltfreundliche Kombinierte Verkehr bleibt bislang hinter den Erwartungen und Forderungen zurück.

Die größte Herausforderung der klimafreundlichen Logistik erfordert ein Umdenken über Effizienzsteigerungen hinaus. Die Alternative dazu wirkt freilich noch erschreckender. Denn wenn wir weitermachen wie bisher, hilft irgendwann womöglich nur der Verzicht auf Verkehr und Wachstum.

Logistikjobs der Zukunft – Was sich durch Digitalisierung ändert

Wer einen Logistik-Beruf ausübt, kommt sich mitunter vor wie im „Fluch der Karibik“. Schließlich wird die Branche seit einigen Jahren von Piraten geentert: Software und Roboter übernehmen immer mehr Tätigkeiten. Für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer stellt sich die Frage, für welche Logistikberufe es noch Bedarf geben wird. Die pessimistische Antwort lautet: Die Automatisierung wird den Menschen ersetzen. Optimisten halten dagegen: Auch die neuen Techniken kommen nicht ohne Menschen aus. Die Arbeit wird sich jedoch grundlegend wandeln. Es werden neue Berufe entstehen.

Die Digitalisierung verändert unseren Begriff von Arbeit

Das digitale, zweite Maschinenzeitalter, dessen Erwachen wir derzeit erleben, erfasst alle Lebensbereiche. Die Kombination aus Roboter und Software ermöglicht es, Steuerungsaufgaben, die bislang von Menschen geleistet wurden, an Maschinen zu übergeben.Die Delphi-Studie des Millennium Projects geht davon aus, dass alles was automatisiert werden kann, auch automatisiert werden wird. Die Studie kommt u.a. deshalb zu dem Schluss, dass die Digitalisierung weltweit ein Viertel aller bisherigen Arbeitsplätze kosten könnte.

Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, sondern in einem Transformationsprozess, der die kommenden zehn bis zwanzig Jahre in Anspruch nimmt. Die Studie relativiert allerdings das Schreckgespenst der Massenarbeitslosigkeit, da sie davon ausgeht, dass in der neuen digitalen Gesellschaft der Begriff „Arbeit“ eine neue Bedeutung entwickeln wird – und damit auch der Begriff der Arbeitslosigkeit. Der klassische 9-5-Job wird seltener.

Stattdessen werden Wissensnomaden und Algorithmen-Versteher ihre Dienste häufiger als heute freiberuflich anbieten. Arbeitnehmer werden sich in dieser Neo-Arbeitswelt an unterschiedliche Situationen anpassen müssen. Strukturen, die heute von Arbeitgebern vorgegeben sind, werden Arbeitnehmer künftig selbst schaffen müssen. Mit anderen Worten: Die Digitalisierung wird vermutlich nicht mehr so viele Arbeitsstellen schaffen wie heute – an Arbeit wird es dennoch nicht fehlen. Mögliche Logistik-Berufe der Zukunft könnten sein:

Roboterkoordinator

Lageristen – und alle die an der Rampe arbeiten – müssen schon heute oft den Umgang mit Datenbrillen oder intelligenten Handschuhen beherrschen. Und bereits in knapp einem Fünftel der Lager sind fahrerlose Staplersysteme und Smart Container im Einsatz. Das wird Roboterkoordinatoren erfordern, die den Einsatz der Maschinen planen und überwachen.

Daten-Spezialist

Das Internet der Dinge wird zudem Datenmengen hervorbringen, von deren Analyse viele in der Logistik gut werden leben können. Daten-Spezialisten werden Abläufe analysieren und so neue, optimierte Lösungen für Logistikaufgaben anbieten.

LKW-Führer

Im selbstfahrenden LKW wird der LKW-Fahrer zum LKW-Führer. Dank seiner ausgezeichneten Logistik-Kenntnisse ist er vor allem mit der Koordination von Transporten beschäftigt. Vor Ort ist er aber auch ein geschickter Verhandler und Problemlöser.

Algorithmen-Versicherer

Auch selbstfahrende Transporte sind zahlreichen Risiken ausgesetzt. Diese zu versichern und sie richtig einzuschätzen, wird die Aufgabe von Algorithmen-Versicherern sein. Vermutlich werden sie dabei eng mit Daten-Spezialisten zusammenarbeiten.

Drohnen-Piloten & Ingenieure

Die Jobbörse Joblift hat jüngst 15 Millionen Stellenanzeigen untersucht und dabei herausgefunden, dass die Zahl der Stellenausschreibungen für die Entwicklung von Drohnen um 128 Prozent gestiegen ist. 92 Prozent der Anzeigen suchten nach Akademikern. Für den Zukunftsmarkt der Drohnen werden vor allem Ingenieure, Softwareentwickler sowie Sales Manager gesucht.

Fazit

Ob diese Berufe tatsächlich die Zukunft der Logistik bestimmen, kann niemand mit Gewissheit sagen. Die einzige Gewissheit besteht derzeit allenfalls darin, dass in der Arbeitswelt vieles ins Rollen kommen wird. In den kommenden zwei Jahrzehnten dürfte sich unser Verhältnis zur Arbeit grundlegend wandeln. Ausgehen wird uns die Arbeit aber gewiss nicht.

Logistik 4.0 – Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit!

Digitalisierung hält bereits in zahlreichen Bereichen Einzug und ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Gerade in der klassischen Distributionslogistik zum Endkunden ist der Digitalisierungsgrad enorm und gelebter Standard. Entsprechend ist der Anspruch der Auftraggeber an Anlagenbauer, die Digitalisierung im Unternehmen noch deutlich zu steigern. Es wird angenommen, so die Bauphase zu verkürzen und die -kosten zu reduzieren.

Anlagenbauer ihrerseits sehen den Vorteil der Digitalisierung vor allem in der Effizienzsteigerung: Bessere Planbarkeit, optimiertes Logistik- und Sitemanagement und zentrale Datenverwaltung unter Einbindung der Subfirmen. Ein transparenter Prozess mit automatisierten Schritten ist hier gewünscht.

Logistik 4.0 birgt neue Herausforderungen

Jedoch: Die traditionellen, oftmals starren Strukturen von ehrwürdigen Unternehmen erschweren es, den digitalen Prozess neu aufzusetzen. Oft scheitert es nicht am Willen, sondern an komplizierten firmeninternen Gegebenheiten, die eine rasche Implementierung von digitalen Tools unmöglich machen. Durch mangelnde Flexibilität in diversen Unternehmensgeflechten wird verstärkt nach Kooperationen mit jungen, innovativen Start-Ups gesucht. So erhalten etablierte Firmen Zugang zu externem Know-how und können schneller auf sich bietende Marktchancen und Veränderungen reagieren. Dieses Umdenken ist ein notwendiger Zwischenschritt, um Zeit zu gewinnen. Viele Firmen sind aktuell noch nicht soweit, die digitalen Möglichkeiten, wie die Analyse großer Datenmengen oder Augmented Reality zu nutzen. Aber der Druck zur Transformation ist hoch, ein Umdenken in den Unternehmen hat eingesetzt, Industrie 4.0 findet statt.

Wer bezahlt diese Änderungen? Wer hat hier einen Mehrwert? Für Anlagenbauer ist Industrie 4.0 schwer kalkulierbar. Schlagwörter wie Big-Data und andere Megatrends stehen laufend im Raum und versprechen das Gelbe vom Ei – in der Theorie. 

Kein Bauwerk ohne Fundament!

Ob man es wahrhaben will oder nicht. Die größte Herausforderung bei Industrie 4.0 Projekten liegt in sauberen Prozessen – dem Fundament von Veränderungen. Diverse Abteilungskaiser, die verschiedensten Arbeitswege, diverse Eigenlösungen und die „das-machen -wir-schon-immer-so“-Mentalität sind meist die wahren Hemmschuhe von Digitalisierungsprojekten. 

Eine Software kann Prozesse unterstützen und gute Unternehmen zwar besser machen. Eine App alleine löst aber noch kein grundlegendes Problem. Das plakativ blinkende 3D-Modell einer Anlage mit Live-Statusupdates ist lobenswert, aber ohne saubere Prozesse – beginnend bei Engineering, Stücklisten, Einkauf und Versand bis zur Montage auf der Baustelle – schwer umzusetzen.

Der erste Schritt ist der Wichtigste

Zuallererst muss „Industrie 4.0“ vom Schlagwort zum konkreten Nutzen für das jeweilige Unternehmen transformiert werden. Auch wenn es schwerfällt – vergessen Sie die eierlegende Wollmilchsau. Durch die Definition von kleinen Schritten, einem raschen Prototyp („Proof of Concept“) und schnellen ersten Erfolgen kann sofort mit entsprechendem Rückenwind an einer ganzheitlichen Umsetzung gearbeitet und Vertrauen in die neue Lösung aufgebaut werden.

Das wesentliche Kapital von Anlagenbauern sind Know-how und Mitarbeiter. Letztendlich entscheiden diese über den Erfolg oder Misserfolg von neuen Softwareprojekten. Klare Vorteile für den Anwender, wesentliche Arbeitserleichterung sowie eine moderne und einfache Bedienung sind somit Pflicht.

Die Zusammenarbeit mit innovativen und spezialisierten Partnern ist eine gute Variante, in der virtuellen Welt von morgen Fuß zu fassen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Ob dies einen sofortigen finanziellen Vorteil bieten mag, sei vorerst dahingestellt. Wie bei vielen Investitionen werden die Früchte erst mittelfristig zu ernten sein.

Eine Transformation hin zu digitalen Prozessen ist für Anlagenbauer in den verschiedensten Bereichen nötig. Stillstand führt zu einem langfristigen Wettbewerbsnachteil. Sich dem technologischen Wandel komplett zu verschließen, wird wohl dauerhaft keine Lösung sein.

Denn: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit!

Same Day Delivery – Blick auf den Tacho

Die Lieferung ist im besten Fall der Schritt des Onlineshoppingprozesses, der am wenigsten Aufsehen erregt: Angefangen bei den Lieferoptionen sollte der Konsument die Option vorfinden, die er präferiert. Dazu zählen neben der klassischen Standard- und Expresslieferung auch schnelle und transparente Lieferoptionen zum Wunschtermin. Laut der MetaPack Verbraucherstudie von 2016 „State of Ecommerce Delivery“ haben 45 Prozent der Befragten schon einmal einen Online-Einkauf aufgrund unbefriedigender Lieferoptionen abgebrochen.

Ist der Bestellprozess abgeschlossen, bekommt der Konsument bestenfalls erst dann wieder etwas von der Lieferung mit, wenn der Kurier an der Tür klingelt und pünktlich und erfolgreich das Paket ausliefert. Für den Fall, dass sich die Lieferung doch einmal verzögert, sollte der Konsument jederzeit die Möglichkeit haben, sein Paket in Echtzeit zu verfolgen und proaktiv vom Kurier über den Sendungsstatus benachrichtigt werden.

Das optimale Liefererlebnis ist ein logistisches und technologisches Meisterwerk

Was für den Kunden so bequem, unauffällig und reibungslos wie möglich ablaufen sollte, ist für Händler und Logistiker ein organisatorisches und technologisches Meisterwerk: Denn eine bequeme Lieferung für den Konsumenten setzt voraus, dass die Prozesse von Grund auf flexibel und transparent sind. Es bedarf ausgefeilter Software, die eine optimale Routenplanung für die Fahrer ermöglicht, um Zeit und Ressourcen bestmöglich auszunutzen. Mit technologischer Unterstützung ist es möglich, effiziente Prozesse aufzubauen und gestückelte Warensendungen so zu bündeln, dass die Fahrer kurze, schnelle und effiziente Touren in die Zustellgebiete fahren – und zur angegebenen Zeit beim Empfänger klingeln.

Genau das ist in den letzten Jahren dank der passenden Technologie und zahlreichen Testprojekten gelungen. Das Ergebnis: Heute ist Same Day Delivery nicht mehr nur eine Spielerei für experimentierfreudige Händler und Start-ups sondern fester Bestandteil der Logistik für die letzte Meile.

Same Day Delivery ist die Antwort für die letzte Meile

Immer mehr online- und offline-Händler erkennen die Vorteile flexibler Lieferoptionen und bieten ihren Kunden mit dem passenden Partner die taggleiche Lieferung oder die Lieferung im Wunschzeitfenster an, um den Einkauf bis zum Schluss so angenehm wie möglich zu machen. Denn auch wenn die Leistung des Logistikunternehmens in den meisten Fällen nur bedingt etwas mit der Qualität des Händlers zu tun hat, so verbucht der Konsument ein negatives Liefererlebnis meist automatisch auf den Händler, sodass dieser auf der im Distanzhandel so wichtigen letzte Meile einen schlechten Eindruck bei seinem Kunden hinterlässt. Laut der MetaPack Studie haben 61 Prozent der Befragten schon einmal aufgrund einer größeren Auswahl an Lieferoptionen einen Online- Händler einem anderen vorgezogen. Mehr als jeder dritte Befragte (38 Prozent) gab zudem an, nach einem negativen Liefererlebnis nie mehr bei dem entsprechenden Online-Händler einkaufen zu wollen. 

Vor allem frei wählbare Lieferzeitfenster am Abend erfreuen sich zunehmender Beliebtheit: Der Käufer sucht sich seine Produkte im Laden oder im Onlineshop aus und wählt an der Kasse aus, an welchem Tag er seine Bestellung in Empfang nehmen möchte. Kurz vor der Lieferung bekommt der Empfänger dann noch eine SMS, in der die bevorstehende Ankunft des Kuriers angekündigt wird, sodass ein maximales Maß an Planbarkeit entsteht. Der Konsument weiß so von Anfang an, wann er mit der Lieferung rechnen kann und muss seinem Paket nicht tagelang hinterherlaufen. Die Lieferung wird zur Nebensache, die Einkäufe stehen (wieder) im Fokus.

Flexible Lieferungen am Tag der Bestellung oder zur Wunschzeit sind kein Konzept der Zukunft, sondern eines der Gegenwart, das sich auch künftig weiter durchsetzen wird, wollen Händler ihre Kunden zufriedenstellen.

Papierlos in die Zukunft – digitale Dokumente im Straßengüterverkehr

Wie sich das traditionelle Dokumentenmanagement buchstäblich „verzettelt“

Die Zettelwirtschaft beginnt, bevor die Ware auf der Straße ist. Selbst wenn Angebote telefonisch eingeholt werden, bedarf spätestens die Angebotsbestätigung der Schriftform. Damit endet das Zettelwesen nicht: Das verladende Unternehmen erstellt einen Lieferschein, die Spedition den Frachtbrief – üblicherweise in dreifacher Ausfertigung. Nach der Verladung erhält der Fahrer den Lieferschein. Auf dem Frachtbrief wird die Verladung dokumentiert. Eine Ausfertigung des Frachtbriefs bleibt an der Beladestelle mit Unterschriften des Verladers und des Fahrers.

Um sich unterwegs als rechtmäßiger Transporteur ausweisen und später die Ablieferung dokumentieren zu können, nimmt der Fahrer den Lieferschein sowie zwei Ausfertigungen des Frachtbriefs mit. Die erfolgte Entladung der Waren wird durch Unterschrift oder Stempel vom Lademeister bestätigt. Eine Ausfertigung des Frachtbriefs bleibt mit den Unterschriften des Fahrers, Versenders und Empfängers an der Entladestelle. Der Fahrer behält die dritte Ausfertigung des Frachtbriefs und des Lieferscheins. Nachdem der Fahrer seine Tour beendet hat, bringt er alle Frachtbriefe und Lieferscheine ins Disponenten-Büro. Erst wenn alle Dokumente mit Unterschriften vorliegen und der Beweis da ist, dass die Ware ausgeliefert wurde, kann die Rechnung erstellt werden.

Frachtbrief und Lieferschein müssen nun noch eingescannt werden. Die Originale gehen mit der Rechnung per Post an den Auftraggeber. Dieser scannt Rechnung, Lieferschein und Frachtbrief ebenfalls ein und erstellt nun seinerseits eine Rechnung, die er – meist zusammen mit den Lieferpapieren – an seinen Auftraggeber sendet. Sobald der die Rechnung per Post erhalten hat, beginnt das Zahlungsziel. Der Auftraggeber ordnet die Rechnung seinem internen Auftrag zu, scannt diese ein und bewahrt die Rechnung gesetzeskonform zehn Jahre lang auf. Ächz!

Papierloses Dokumentenmanagement spart Zeit

Im papierlosen Dokumentenmanagement von digitalen Speditionen wird auf Zettelwirtschaft verzichtet. Alle relevanten Papiere werden digital als „elektronisches Dokument“ geführt. Das ermöglicht es, schon bei der Auftragsbuchung Zeit zu sparen. Angebote müssen nicht per Telefon, Fax oder Mail eingeholt werden, sondern können per Knopfdruck gebucht werden. Auch Speditionsverträge lassen sich im gleichen System anpassen und versenden. Der Frachtführer kann den Auftrag per Knopfdruck auf den Fahrer disponieren. Dieser erhält alle auftragsrelevanten Details auf sein Smartphone.

Digitale Logistik ermöglicht Echtzeit-Informationsfluss

Über ein digitales Transportjournal sind Verlader, Spediteur und Frachtführer stets über den aktuellen Status des Transportes informiert, ohne Papiere hin- und herschicken zu müssen. Alle Transportdokumente, inkl. Anmerkungen über Beschädigungen, sind online einsehbar. An den Ladestellen werden die Ladezeiten sowie der Gefahrenübergang per digitaler Unterschrift bestätigt. Sobald diese Unterschriften getätigt sind, sind sie im Transportjournal zu sehen. Der Transport wird so komplett transparent. Telefonate, um Ankunft und Ort der Ware zu erfragen, werden überflüssig.

Wurde die Entladung bestätigt, erfahren Verlader und Spedition von der Auslieferung in Echtzeit. Die Rechnung für den Transport kann nun ohne Verzögerung erstellt und dem Frachtzahler digital zugesendet werden. Beschädigungen oder Änderungen in der Verlademenge können vom Frachtführer schriftlich und per Foto im digitalen Transportjournal kenntlich gemacht werden. Das gleiche Prozedere gilt für den Palettentausch: Auch dieser wird an den Be- und Entladestellen digital dokumentiert. Das separate Ausfüllen eines Palettenscheins entfällt.

Das papierlose Dokumentenmanagement punktet auch bei der Archivierung

Im traditionellen Dokumentenmanagement kostet die Archivierungspflicht enorme Ressourcen. “Digital” ist auch in diesem Punkt wesentlich effektiver: Alle Dokumente werden mit Dokumentenvorlagen erstellt und müssen nicht mühsam eingescannt werden. Auch wechselnde Mitarbeiter können so Transportdokumentationen, die sie zuvor nicht betreut haben, leicht finden und bearbeiten.

Rechtliche Bedingungen: digital gleich analog

Bei innerdeutschen Verkehren ist nach HGB § 408 Absatz 3 ein elektronischer Frachtbrief dem analogen Frachtbrief gleichgestellt. Wer ein papierloses Dokumentenmanagement nutzt, muss keinen ausgedruckten Frachtbrief mitführen. Das gilt allerdings nicht für den CRM-Frachtbrief, der im grenzübergreifenden Straßengüterverkehr Pflicht ist. Zwar wird von Interessensgruppen bereits seit langem ein digitaler CRM-Frachtbrief gefordert, doch zeigt die Politik bislang wenig Neigung dazu.

Durch integrierte Planung neue Märkte erschließen

„Neue alte“ Verkaufskonzepte im Consumer-Geschäft beschäftigen derzeit die Medien: Wo einst noch ausnahmslos der Online-Handel als Gefahr für den Einzelhandel deklariert wurde, gehen nun ausgerechnet die Gründer der großen Online-Shops in den persönlichen Verkauf zurück. Doch natürlich nicht gänzlich, sondern sie entwickeln eine Kombination aus „offline“ und „online“ für mehr Umsatz. Interessanterweise war das so genannte Multi-Channel-Retailing, also die Nutzung mehrerer unterschiedlicher Vertriebskanäle, eigentlich das Heilsversprechen an den stationären Handel, um dem Wettbewerb aus dem Internet zu trotzen. Nun schlägt das Online-Imperium offensichtlich zurück. Die Rolle des Einzelhandels ist langfristig gesehen aus beiden Perspektiven die gleiche: Die stationären Läden werden zum „Showroom“. Das bedeutet, dass im Geschäft lediglich getestet wird – gekauft wird online. Mit einleuchtendem Vorteil: Die Lagerung in den Filialen fällt beinahe vollständig weg. Einem Beispiel der PwC-Strategieberatung Strategy& zufolge kann ein Denim-Jeans-Geschäft so seine lagerhaltigen Hosen in der Filiale von 3.640 Stück auf 220 reduzieren. Das Bestandsmanagement in den Hauptlagerorten, aus denen die Ware verschickt wird, wird dadurch folglich komplexer.

Ein solcher Strategie-Wechsel in Unternehmen bedeutet enormen Planungsaufwand für die Supply Chain. Wessen Lieferkette nicht bereits vor einem solchen Schritt wie ein Uhrwerk läuft, wird vor immense Herausforderungen gestellt. Ebenso sind zunehmende globale Vernetzung und Individualisierung von Produkten komplexitätssteigernd für die Planung zukünftiger Verkäufe. Daher ist es heute wichtiger denn je, eine vernünftige Planung auf Basis verlässlicher Daten zu haben und alle an der Supply Chain beteiligten Teilprozesse zusammenzuführen.

Ziele kennen, Menschen zusammenbringen

Eine verlässliche Absatzplanung steht am Beginn der Planung und ist als elementarerer Bestandteil im Supply Chain Management anzusehen. Die Qualität der Absatzplanung entscheidet über die Ausschöpfung der Verkaufspotenziale, hat Einfluss auf alle Folgeprozesse und damit entscheidenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Damit das Ergebnis einer Planung aber nicht nur am Markt orientiert, sondern auch wirtschaftlich und vor allem umsetzbar ist, müssen sowohl alle Abteilungen gemeinschaftlich agieren als auch die Planung auf übergreifender Ebene strategisch stattfinden.

Obwohl dies bekannt ist, ist in vielen Branchen die Planung in „Insellösungen“ gängig. Nicht nur in der persönlichen Kommunikation fließen die Informationen über interne Grenzen hinweg spärlich, sondern auch Medienbrüche in einer IT-Landschaft verhindern einen angemessenen Informationsfluss.

Im Sinne einer integrierten Planung der gesamten internen Supply Chain gilt es nun, die Informationen von der Vertriebs- bis zur Produktionsplanung zusammenzuführen, Interdependenzen zu erkennen und Synergien zu nutzen – für eine auf Unternehmensziele ausgerichtete Supply Chain. Dazu sollten zunächst alle Teilziele bekannt sein: Der Vertrieb muss seine Umsatzpotenziale kennen, die Produktion ihre Kapazitäten, das Bestandsmanagement alle Ressourcen und die Geschäftsleitung ihre Strategie. Da jede Abteilung unterschiedliche Dinge fokussiert, sollte eine Planung auch individuelle Planungsebenen ermöglichen: Der Vertrieb plant zum Beispiel möglicherweise auf Ebene der Kundensegmente, während sich die Beschaffung auf Artikel und Artikelgruppen konzentriert.

Eine Frage der Kombination

Die Zusammenführung von planungsrelevanten Abteilungen auf einheitlichem IT-Grund und eine flexible und individuelle Planung sind für ein verlässliches Ergebnis jedoch noch nicht genug. Intelligente Algorithmen liefern einerseits zusätzlich verlässliche Prognosen, damit eine Planung letztlich nicht nur auf dem „Bauchgefühl“ der Planer basiert. Andererseits erreichen sie auch ein Gesamtoptimum durch die ganzheitliche Betrachtung und Simulation von strategischen Fragestellungen, zum Beispiel: „Wie verändert sich das Produktionsprogramm bei zusätzlicher Kapazität?“ Oder, wie im Jeans-Beispiel: „Wo müssen welche Bestände gelagert werden, wenn die tatsächliche Distribution hauptsächlich von einem zentralen Standort aus geschieht?“.

Dem Wandel entgegen

Nicht nur die großen Online-Händler, sondern Unternehmen jeglicher Größe und Branche sind gezwungen, den Anforderungen der heutigen Zeit erfolgreiche Lösungen gegenüberzustellen, um am Markt Bestand zu haben. Strategiewechsel, die Internationalisierung und zunehmend digitalisierte Prozesse gehen damit einher. Damit diese Veränderungen gelingen, ist eine integrierte, fundierte und intelligente Supply Chain Planung nötig. Eine integrierte Planung  ist hierfür zwingend notwendig. Isolierte Pläne pro Abteilung gilt es zu einer übergreifenden strategischen Planung zusammenzuführen. Algorithmen unterstützen bei der Festlegung eines optimalen Plans.

Digitalisierung der Logistik: Klassische Berufsbilder müssen sich anpassen

Kaufmännische Berufe

Der Speditionskaufmann der Zukunft wird bei der Koordinierung von Gütern fast ausschließlich auf den Bildschirm seines Computers oder Smartphones schauen. Langwierige Telefonate und ungenaue Angaben über Standort oder Ankunftszeit eines Transports gehören der Vergangenheit an. Dank transparenter Track & Trace Systeme ist die Nachverfolgung von Transporten in Echtzeit kein Problem mehr. Auch die Kommunikation mit Kunden und Fahrern wird überwiegend digital ablaufen. Ganz verschwinden wird das Telefon aber nicht: Gerade bei großen Key Accounts wird die zwischenmenschliche Kompetenz nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Ein weiterer kaufmännischer Bereich, in dem der Mensch noch lange nicht ersetzbar sein wird, ist die Organisation von In- und Exporten. Neben Fremdsprachenkenntnissen machen hier vor allem die interkulturellen Fähigkeiten den Menschen jeder Computerlösung überlegen.

Kommissionierung/ Materialwirtschaft / Fachkraft für Lagerlogistik

Die Automatisierung und die Kraft vernetzter Systeme wird den Menschen dauerhaft ersetzen. Intelligente Lagerhaltungssysteme, die direkt und autonom an das Supply-Chain-Management-System angebunden sind und selbstständig Waren nachbestellen, deren Bestand zu niedrig ist, machen eine von Menschen betriebene Materialwirtschaft genauso hinfällig wie die klassische Lagerlogistik. Intelligente Lagerroboter – wie bereits in manchen Amazon-Lagern im Einsatz – können die Waren genauer, schneller und langfristig günstiger kommissionieren als Menschen. In der Industrie wird diese Entwicklung besonders schnell voranschreiten.

Versandleiter/ Disponent

Speziell in der Kommunikation werden Versandleiter bereits in naher Zukunft punktuell durch Bots ersetzt werden, die redundante Fragen herausfiltern und selbständig beantworten. Versandleiter werden sich verstärkt um die Pflege von Key Accounts kümmern. Der Disponent hingegen wird in 15 Jahren keine Rolle mehr spielen. Basierend auf riesigen Datenmengen können computergestützte Systeme Fahrtrouten wesentlich effizienter planen als jeder Mensch. Die hohen Einsparungen, die hierdurch für Speditionen realisiert werden können, werden den Digitalisierungsprozess in diesem Bereich extrem beschleunigen.

Kraftfahrer

Auch wenn zwischen Silicon Valley und Wolfsburg autonomes Fahren mittlerweile zum neuen Trendsport geworden ist, wird es noch sehr lange dauern, bis selbstständig fahrende LKWs auf europäischen Straßen unterwegs sein werden. Die Vorstellung eines führerlosen 30-Tonners mit chemischen Produkten ist zudem so angsteinflößend, dass sich die Rolle des Kraftfahrers hin zu einem Kraftfahrzeug-Kontrolleur ändern wird. Wie ein Pilot im Flugzeug greift er nur ein, wenn die Situation es erforderlich macht. Bis in diesem Bereich die Zukunft einkehrt, gilt es aber erstmal andere Baustellen zu beheben: Die Branche leidet unter akutem Fahrermangel.

Frachtinformatiker / Logistik-Planer / Supply Chain Manager

Die Rolle des Frachtinformatikers wird stark an Bedeutung gewinnen. Seine Aufgabe ist es, externe und interne Schnittstellen zu integrieren und dafür zu sorgen, dass die digital gestützten Prozesse wie Disposition, Routenplanung und Fehlermanagement problemlos laufen. Eine besondere Herausforderung wird die Einbindung interner Prozesse in etablierte neue Technologien sein. Genauso bedeutsam ist die Rolle des Logistikplaners, der sämtliche Prozesse im Blick und deren Optimierung strategisch planen muss. Eine seiner wesentlichen Aufgaben wird die Entwicklung tragfähiger Zukunftskonzepte für die Logistik werden. Der Manager im Supply Chain Management bleibt auf absehbare Zeit unersetzlich, weil er die Schnittstellen zwischen Warenlogistik und Produktionsprozessen koordinieren und steuern muss.

Die Prognose  ist klar: Die Aufgaben, die mit Planung, Koordination und Verteilung zu tun haben, werden fast ausnahmslos durch Algorithmen und digitale Lösungen ersetzt: Zu verlockend sind die hohen Einsparungspotentiale, die durch Automatisierung und Digitalisierung realisierbar sind. All jene Berufe, die bereits heute IT-lastig sind, werden in ihrer Bedeutung weiter zunehmen – sehr zur Freude der Millenial-Generation. Besonders in großen Unternehmen wird darüber hinaus die Einbindung externer digitaler Logistikpartner zu einer der wesentlichen Herausforderungen.

Zettelwirtschaft adé – Digitale Revolution im Anlagenbau

Manager von Großprojekten kennen das Problem. Das Material ist bereits versandt, doch wo ist es? Am Schiff, im Lager, beim Kunden oder bei Subfirmen? Diese fehlende Information hat wesentlichen Einfluss auf die Montageplanung und kann ganze Projekte ins Wanken bringen. Bei knapp kalkulierten Projekten entscheidet perfekte Materialverwaltung oft über Gewinn und Verlust.

Ziel sollte es sein, jedes Bauteil – vom Lieferanten über den Transportweg bis hin zum Lagerplatz und der Montage auf der Baustelle – digital zu erfassen und auf Knopfdruck zu wissen, wo sich welches Teil befindet und wie lange die Lieferung noch dauert. Zukunftsmusik? Mitnichten.

Digitale Zukunft im Anlagenbau

Durch „smarte“ Lösungen wird in Zukunft die Baustellenabwicklung revolutioniert. Flexibilität, Agilität, Wandlungsfähigkeit und Geschwindigkeit sind die Anforderungen an den modernen Anlagenbau. Aber nicht nur Konzerne und Großunternehmen steigern ihre Effizienz durch integrierte Baustellenlogistik. Auch kleine und mittlere Unternehmen profitieren massiv von solchen Tools.

Wenn es einmal nicht rund läuft

In der Vergangenheit stellten Lieferscheine unverzichtbare Dokumente dar – auf Großbaustellen containerweise. Selbstredend, dass die Verwaltung dieser Zettelmassen Arbeitszeit verschlang, die anderenorts fehlte. Die berühmten Excel-Listen in den verschiedensten Revisionen trugen zum Durcheinander wohlwollend bei. Hinzu kamen schadhafte Lieferungen, die mit der Handykamera-Copy/Paste-Erfassungs-Methode nicht selten zu Chaos und permanenter Improvisationstätigkeit führten, sofern sie denn überhaupt dokumentiert wurden.

Die Verknüpfung von Logistik mit einem einfachen Qualitäts- und Mangelmanagementsystem mit direkten Rückmeldungen von der Baustelle sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, welche zu großer Zeitersparnis und Prozessverbesserungen beiträgt.

Der Blick für das große Ganze

Projektleiter schätzen es, den Überblick zu behalten und geeignete Tools zum Reporting zur Verfügung zu haben. Bei der Wahl der Software müssen Unternehmen allerdings einiges beachten, um am Ende über eine Lösung zu verfügen, die den individuellen Ansprüchen wirklich gerecht wird.

Die Wahl der richtigen Technologie und Umsetzung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Ein RFID Tag oder Barcode lösen noch kein Problem. Eigenlieferungen, Beistellungen, Lieferanten-Direktlieferungen, Vorortzukäufe – vieles gilt es zu beachten um diese in die Gesamtlösung zu integrieren.

Vernünftiges Reporting benötigt valide Daten. Daher ist es wichtig, die Baustellenabwicklung miteinzubeziehen und nicht als „kleine Insel“ zu betrachten. Eine in der Ausführung flexible, jedoch standardisierte Baustellenlogistik, Mängelerfassung, Fortschrittsbewertung und Bautagebücher sind nur einige Themen, welche in dem Spannungsfeld zwischen Logistik, Baustelle und Projektmanagement berücksichtigt werden sollen.

Die größten Schwierigkeiten sind oft die fehlende IT Infrastruktur Vorort oder vielfach die Schnittstellen zur hauseigenen SAP-Umgebung, welche jedoch mit dem richtigen Softwarepartner lösbar sind. Bei vielen Anbietern fehlt die Erfahrung und das nötige Baustellenwissen. Eine einfache Bedienung, die flexible Konfiguration durch den Bauleiter und eine komplette Offline-Fähigkeit sind für eine funktionierende Software eine wesentliche Grundvoraussetzung.

Digitale Agenda

Die Fachbereiche IT und Projektmanagement gehen bei der digitalen Revolution im Anlagenbau Hand in Hand. Zur Analyse und Implementierung von Lösungen zur Baustellenlogistik und Prozessoptimierung gibt es kaum IT-Anbieter, die den gesamten Prozess mit nur einer Software abdecken – wobei dies empfehlenswert ist, um ein Projekt zu optimieren und der Zettelwirtschaft Lebewohl zu sagen.